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Kushner und Bannon grundverschieden

Der designierte US-Präsident Donald Trump ist noch immer mit der Besetzung seines künftigen Kabinetts beschäftigt. Bei Personal- und anderen wichtigen Entscheidungen verlässt er sich auf eine Handvoll Vertraute. Trumps wichtigste Helfer pflegen aber auch untereinander kein friktionsfreies Verhältnis.

Vor allem auf zwei von Trumps Beratern wird derzeit in US-Medien besonderes Augenmerk gelegt: den ultrarechten Einflüsterer Steve Bannon und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Die beiden arbeiten im engsten Umfeld des künftigen Präsidenten und könnten unterschiedlicher nicht sein.

Der zurückhaltende Entscheider

Kushner, der Ehemann von Trumps Tochter Ivanka, ist erst 35 und gilt dennoch als graue Eminenz im Umfeld des neuen Präsidenten. Laut US-Medien ist Kushner der Entscheider im Hintergrund und wird auch für ein Regierungsamt gehandelt - dann müsste er allerdings seine bisherigen lukrativen Geschäfte aufgeben. Dem „Wall Street Journal“ zufolge tätigte er bereits Immobiliengeschäfte im Umfang von insgesamt 14 Milliarden Dollar (13,18 Mrd. Euro).

Diplomaten, die Kushner getroffen haben, beschrieben ihn als höflich, zurückhaltend und verschwiegen. Über seine Ansichten ist nicht viel bekannt. Kushner stammt von reichen Demokraten ab, ist stets gut gekleidet, freundlich und bleibt politisch korrekt.

Der rechte Polterer

Das alles steht in scharfem Gegensatz zu Trumps neuem Chefstrategen Bannon, der als grob und wenig diplomatisch gilt. Der 62-Jährige stammt aus einer irisch-katholischen Arbeiterfamilie und agitiert seit Langem am Rechtsaußen-Rand des politischen Spektrums. Die von Bannon geleiteten ultrarechte Website Breitbart News attackierte wiederholt politische Eliten und Minderheiten in den USA mit brutaler Polemik und Verschwörungstheorien. Die Anti-Rassismus-Organisation Southern Poverty Law Center nannte Bannon als Betreiber einer „weißen ethno-nationalistischen Propagandamühle“.

Bannon soll auch mit antisemitischen Äußerungen aufgefallen sein, bewiesen wurde das aber nie. Er verbrüderte sich jedoch mit der „Alt-Right“-Bewegung (kurz für „Alternative Right“, ein Zusammenschluss von Gruppen am äußersten rechten Rand), die offen antisemitisch ist. Trump selbst distanzierte sich von der Bewegung, nachdem deren Anhänger bei einer jüngsten Zusammenkunft die Hände zum Hitlergruß hoben und „Heil Trump“ riefen. Die israelische Zeitung „Haaretz“ nannte Bannons Ernennung durch Trump „einen Moment der Wahrheit für US-Juden“.

Kushner hingegen ist jüdischer Herkunft und Enkel von Holocaust-Überlebenden aus Polen. Seine Ehefrau Ivanka Trump trat für die Ehe zum Judentum über. Die „New York Times“ meldete, dass Kushner eine tragende Rolle bei Verhandlungen mit Israel spielen soll. „Ohne Zweifel fühlt er eine starke Verpflichtung für Israels Sicherheit und Zukunft“, wird Israels Botschafter in den USA zitiert.

Kushner soll in Israel vermitteln

Auch Trump meinte, Kushner könne einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Frieden zwischen Israel und Palästinensern zu schaffen. „Das würde so eine große Errungenschaft sein.“ Mit Trump trifft Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in seiner vierten Amtszeit zum ersten Mal auf einen republikanischen US-Präsidenten. Zur scheidenden US-Regierung hatte Netanjahu ein abgekühltes Verhältnis.

Die israelische Rechte verspricht sich von der Wahl Trumps jedenfalls Erleichterungen bei der Siedlungspolitik in den palästinensischen Gebieten und ein Abrücken der USA von den Gesprächen über einen eigenständigen Palästinenserstaat. Netanjahus Stab ließ wissen, dass man sich speziell auf Kushner als Verbündeten im Weißen Haus freue.

„Vernunftehe“ in Trumps engstem Kreis

Doch die Gegensätze zwischen Bannon und Kushner, die für die nächsten Jahre wahrscheinlich eng zusammenarbeiten werden, birgt nach Ansicht von Beobachtern einigen Zündstoff. Bisher musste Trumps Schwiegersohn wiederholt ausrücken, um Bannon gegen Antisemitismus- und Rassismusvorwürfe zu verteidigen. „Er ist ein Zionist und liebt Israel“, wird Kushner in der „Jerusalem Post“ zitiert.

Bannon lobt Kushners Arbeit im Gegenzug öffentlich. Dieser hatte im Wahlkampf die digitale Werbeplattform „Project Alamo“ für Trump gegründet. Bannon nannte sie die „Grundlage für eine politische Bewegung, die uns über den Wahlsieg hinaus tragen wird“, wie ihn die „Neue Zürcher Zeitung“ („NZZ“) zitierte.

Einfluss auf hohe Entscheidungen

Trump will jedenfalls beide ins Weiße Haus mitnehmen. Kushner lotet bereits legale Wege aus, um ein offizielles Amt übernehmen zu können. Bisher ist er schon in Trumps Übergangsteam, das für Personalvorschläge für das künftige Kabinett zuständig ist. In diesem Team soll Kushner dafür gesorgt haben, dass die einstige republikanische Zukunftshoffnung Chris Christie geschasst wurde.

Gerüchteweise drehte sich die Antipathie gegen Christie um Kushners Vater. Denn Christie hatte diesen einst als Staatsanwalt wegen Steuerbetrugs, illegaler politischer Spenden und Zeugenbeeinflussung hinter Gitter gebracht. Die Schmach seines Vaters soll bei Kushner tiefe Spuren hinterlassen haben.

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