Aufsicht dringt auf Lösung im Streit über neue Bankregeln

Führende Bankenaufseher fordern eine Einigung im Streit über neue Kapitalregeln für Geldhäuser weltweit. „Jedem ist bewusst, wie wichtig globale Standards sind“, sagte EZB-Aufseherin Julie Dickson bei einer Bankenkonferenz in Frankfurt. Sie erwarte, dass der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht bei seinem Treffen in Santiago de Chile gestern und heute eine Lösung finden werde.

„Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt; und es ist meine Aufgabe, das sicherzustellen“, sagte Schwedens Notenbank-Präsident Stefan Ingves, der dem Baseler Ausschuss vorsteht.

Europäer und Amerikaner weit auseinander

Beim Streit über das neue Regelwerk, das in der Branche „Basel IV“ genannt wird, lagen die Positionen von Europäern und Amerikanern bisher weit auseinander. Strittig ist vor allem der Einsatz von internen Modellen, mit denen viele Großbanken berechnen, wie viel Eigenkapital sie für Kredite und andere Geschäfte zur Seite legen müssen.

Ihrem Einsatz wollen die USA nun enge Grenzen setzen. Viele deutsche und europäische Geldhäuser fürchten, dass die Kapitalanforderungen an sie dadurch deutlich steigen würden.

Ob es in Santiago zu einer Einigung kommt, ist aus Sicht von Experten ungewiss - auch wegen der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten. Es sei unklar, ob die US-amerikanischen Abgesandten in Chile überhaupt noch die Rückendeckung hätten, einem folgenreichen Kompromiss zuzustimmen, sagten mehrere europäischen Bankenaufseher. Trump hatte sich im Wahlkampf für eine Deregulierung der Finanzmärkte ausgesprochen.