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Ritterschlag für chinesische Währung

Seit Anfang Oktober ist der chinesische Yuan gemeinsam mit dem US-Dollar, dem Euro, dem japanischen Yen und dem britischen Pfund Teil des Weltwährungskorbes. Das gab die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, in Washington bekannt. Die Entscheidung zur Aufnahme der chinesischen Währung war bereits im Februar gefallen.

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Die Aufnahme des Yuan bedeutet die erste Ausweitung des Währungskorbes in seiner Geschichte seit 1969 und die erste Neuaufnahme, seitdem der Euro die D-Mark und den französischen Franc abgelöst hatte. Der Währungskorb bildet die Wertegrundlage für die Kunstwährung des Fonds, die Sonderziehungsrechte (SZR), eine Art Reservewährung, über die Staaten Fremdwährungen eintauschen können. Über die SZR werden die Beiträge der IWF-Mitglieder (Quoten) wie auch ihre Kreditmöglichkeiten beim Fonds bemessen. Den Kurs setzt der IWF fest, die SZR werden nicht an der Börse gehandelt.

„Historischer Meilenstein“

Lagarde bezeichnete die Aufnahme der auch als Renminbi bekannten chinesischen Währung als „historischen Meilenstein“. „Das bedeutet einen wichtigen Schritt hin zur Integration der chinesischen Volkswirtschaft in das weltweite wirtschaftliche System“, sagte Lagarde.

Vor allem symbolische Bedeutung

Die Aufnahme des Yuan hat zunächst vor allem symbolische Bedeutung. Mit größeren Auswirkungen auf die Finanzmärkte wird daher nicht gerechnet. Für China, das jahrelang auf die Aufnahme hingewirkt hatte, ist die Kür des Yuan zu einer der Weltreservewährungen ein wichtiger Schritt im Bemühen um die Anerkennung des Landes als globale Wirtschaftsmacht.

Das Ziel Chinas, den Yuan neben dem US-Dollar als globale Leitwährung zu etablieren, liegt aber noch in weiter Ferne. Von Oktober an ist der Yuan mit 10,9 Prozent im Währungskorb vertreten. Dafür musste unter anderem der Euro Anteile abgeben. Das britische Pfund ist mit nur noch 8,1 Prozent Anteilen künftig schwächste der fünf Weltreservewährungen.

China auf Überholkurs

In den vergangenen 20 Jahren stieg China von einer regionalen Wirtschaftsgröße zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt auf - es gibt Schätzungen, wonach die Volksrepublik in einigen Jahren auch die USA überholen könnte, zumindest wenn es um die Größte des Bruttoinlandsproduktes (BIP) geht. Gewichtet nach dem Handelsanteil, macht der Yuan laut „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“) mittlerweile ein Fünftel am Dollar-Kurs aus. Inklusive Kanada und Mexiko, die viel mit China und den USA handeln, steige dieser Anteil in Richtung der Hälfte.

Der im Jahresverlauf und vor allem zu Jahresbeginn schwächelnde Yuan-Kurs sei für die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) – ohne dass sie das explizit machte – ein Grund gewesen, die Zinsen nicht weiter anzuheben, schrieb die „FAZ“. Einen ähnlichen Einfluss auf das Verhalten anderer Notenbanken habe nur der Euro und mit einigen Abstrichen der japanische Yen. Das britische Pfund dürfte hingegen eher aus historischen Gründen dem Währungskorb des IWF immer noch angehören und nicht aufgrund der aktuellen oder absehbaren Bedeutung.

Renminbi und Yuan

Chinesen haben viele Namen für ihr Geld. Als Oberbegriff für die Währung ist in China Renminbi geläufig, was übersetzt Volkswährung bedeutet. Die offizielle Abkürzung der Währung, die auch im internationalen Zahlungsverkehr genutzt wird, lautet jedoch CNY - Chinese Yuan. International ist daher meist einfach nur von Yuan die Rede. Das Geld ist in die Einheiten Yuan, Jiao und Fen eingeteilt. Dabei entspricht ein Yuan zehn Jiao. Ein Jiao sind wiederum zehn Fen. Im Alltagsgebrauch werden oft aber ganz andere Begriffe genutzt. Ein Yuan wird umgangssprachlich als Kuai (Stück) bezeichnet, ein Jiao dagegen Mao (Haar) genannt. 100 Yuan sind aktuell rund 13 Euro wert.

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