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Schwelle für Prüfungen gesenkt

Chinas Führung will chinesische Investitionen im Ausland in Zukunft ganz genau kontrollieren. Damit könnten viele Projekte und Zukäufe chinesischer Firmen, unter anderem auch in Europa, zumindest vorerst auf Eis liegen.

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Ab einer Summe von 9,5 Mrd. Euro sollen chinesische Investitionen im Ausland untersagt werden, hieß es Ende November in übereinstimmenden Berichten unter anderem der „South China Morning Post“, der „Financial Times“ und der Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider sowie Protokolle der chinesischen Zentralbank. Fusionen und Übernahmen von mehr als einer Milliarde US-Dollar sollen nicht erlaubt werden, falls diese außerhalb des Kerngeschäfts des Investors liegen.

Staatsbetriebe sollen zudem nicht mehr als eine Milliarde Dollar in ausländische Immobilien investieren dürfen. Die Grenze für die behördliche Überprüfung von Auslandsüberweisungen wurde von 50 Mio. Dollar auf fünf Mio. gesenkt. Die Senkung gelte nun sowohl für ausländische Währungen als auch für Chinas Währung Renminbi (Einheit: Yuan), heißt es. Auch bereits genehmigte Transfers sollen noch einmal geprüft werden. Die Regeln sollen vorerst bis September nächsten Jahres gelten.

Abkehr von bisheriger Strategie

Bisher hatte Peking staatliche und private Unternehmen des Landes animiert, ausländische Marken und Technologien zu erwerben. Tatsächlich gab es zuletzt einen regelrechten Kaufrausch chinesischer Firmen auch in Europa und den USA - und das quer durch alle Branchen.

Immer öfter traten zuletzt auch im deutschsprachigen Raum chinesische Investoren auf den Plan, wie zuletzt bei Osram. Der jüngste Höhepunkt war Anfang 2016 die Ankündigung des chinesischen Chemieriesen ChemChina, für 43 Mrd. Dollar den auf Pflanzenschutzmittel und Saatgut spezialisierten Schweizer Konzern Syngenta zu übernehmen. Falls China sich nun wirklich zurückzieht, könnte die oftmals letzte Hilfe gerade bei finanziell bedrängten Firmen wegfallen.

Kaufwut bringt Märkte unter Druck

Allerdings gibt es auch immer stärkere Kritik an der Strategie Chinas. Die chinesische Kaufwut heizte etwa den australischen Immobilienmarkt an, Australien reagierte daraufhin mit strengeren Regeln bei der Kreditvergabe für Ausländer. Alleine in den USA kauften chinesische Investoren und Firmen für mittlerweile 300 Milliarden Dollar (265 Mrd. Euro) Wohnungen, Häuser und Gewerbeimmobilien.

In Afrika investierte China auf der Suche nach Rohstoffen ebenfalls stark, allerdings ohne dabei die lokale Wirtschaft nachhaltig zu stärken. Auch bei den Übernahmen in den USA floss laut Kritikern zu oft Technologie und Wissen ab, den erhofften Zugang zum chinesischen Markt brachten sie nicht.

Kampf gegen Kapitalflucht

Aufgrund der hohen Auslandsinvestitionen hatte China zuletzt mit einer zunehmenden Kapitalflucht zu kämpfen. Alleine im Oktober sollen laut Schätzungen von Bloomberg in Summe 73 Mrd. Dollar Kapital aus China abgeflossen sein, von Jänner bis September 620 Mrd. Dollar, so Bloomberg. Laut offiziellen Zahlen des chinesischen Wirtschaftsministeriums investierten chinesische Firmen in den ersten zehn Monaten dieses Jahres 146 Mrd. Dollar in Zukäufe im Ausland, nach 121 Mrd. Dollar im Vorjahr.

Laut Schätzungen investierte China von Jänner bis September 2016 fast dreimal mehr Geld in Europa als Europa in China, und auch Käufe in den USA sollen jene von China in den USA bereits überholt haben. Auch wegen dieser Kapitalabflüsse ist Chinas Währung in diesem Jahr um 5,8 Prozent auf den niedrigsten Stand gegenüber dem US-Dollar seit acht Jahren gefallen.

Kritik an fehlender Transparenz

Mit Verkäufen ausländischer Devisen versuchte Peking, der Kapitalflucht entgegenzuwirken, die Devisen fielen daraufhin prompt auf den tiefsten Stand seit 2011. Der Renminbi hat in diesem Jahr um etwa sechs Prozent im Vergleich zum Dollar abgewertet. China versucht nun, auch die lokale Wirtschaft und Nachfrage zu stärken. Ab 5. Dezember will China zudem den Zugang zur Technologiebörse Shenzhen, vergleichbar mit dem US-Technologieindex NASDAQ, für Ausländer öffnen.

Analysten kritisierten die restriktive Investitionspolitik, die noch nicht offiziell ist. China halte sich bei seinen Regeln für die Wirtschaft grundsätzlich eher bedeckt, auch um flexibel agieren zu können, zitiert das „Wall Street Journal“ („WSJ“), und ändere die Regeln auch schon mal relativ schnell. Allerdings müsste China gemäß den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) mehr Transparenz an den Tag legen, so ein Anwalt, der die Situation als ernst beschrieb.

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