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„Loyal bis zum Ende“

„Ich verstehe die männliche Psyche wirklich sehr gut - ich fühle mich in einer Kerl-Umgebung sehr wohl.“ Das gab die Milliardärin Linda McMahon zu Protokoll, als sie noch Chefin von World Wrestling Entertainment (WWE) war. Ein Satz, der nach dem Geschmack des designierten US-Präsidenten Donald Trump sein dürfte. Nicht umsonst holte er McMahon als vierte von vier Frauen in sein Kabinett.

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Die 68-Jährige soll das neue US-Ministerium für Klein- und Mittelbetriebe leiten. Trump sieht sie dazu berufen, weil sie WWE zwischen 1980 und 2009 von einem 13-Mann-Betrieb zu einem Großkonzern ausbaute. Die Vermarktungsgesellschaft entsprach freilich nie einem typischen US-Kleinunternehmen. Das dürfte Trump aber nicht stören: Mit Ressortkundigkeit kann keine der vier Frauen punkten, mit Härte nach Trumps Geschmack umso mehr.

Von South Carolina in die UNO

Neben McMahon und ihrem neuem Ressort gehen drei weitere Kabinettsposten an Frauen: Die Politveteranin Elaine Chao war bereits unter Präsident George W. Bush acht Jahre lang Arbeitsministerin und wird nun Verkehrsministerin. Die Milliardärin Betsy DeVos bekommt das Bildungsministerium, und die 44-jährige Nikki Haley, bisher Gouverneurin des Bundesstaates South Carolina, wird Trumps Vertreterin bei der UNO.

Montage zeigt die designierten US-Ministerinnen Betsy DeVos, Linda McMahon, Elaine Chao und Nikki Haley

Getty Images/Drew Angerer; Reuters/Mike Segar; APA/AP/Carolyn Kaster; Reuters/Gary Cameron (Montage)

DeVos, McMahon, Chao, Haley

Keine der vier ist bisher durch besondere Fachkompetenz im Hinblick auf ihre künftigen Ämter aufgefallen, mit der Ausnahme vielleicht von DeVos, die schon lange als standhafte Lobbyistin der US-Privatschulen agiert. In Trumps Kabinett will sie die Privatisierung des Bildungssektors vorantreiben. Kritisch sehen Beobachter dabei vor allem die Rolle Haleys, die bisher keinerlei Berührungspunkte zur Welt der Diplomatie und der transnationalen Kontakte hatte.

Gegenwind kein Problem

Gerade Haley könnte sich allerdings als die politisch aktivste unter ihren Kolleginnen entpuppen. Die konservative Republikanerin bewies ihre Standhaftigkeit letztes Jahr, als sie nach einem rassistischen Schussattentat mit neun afroamerikanischen Opfern - gegen weite Teile der Bevölkerung und ihrer Parteifreunde - die Konföderiertenflagge der Südstaaten vom Regierungssitz in South Carolina entfernen ließ.

Auch die anderen drei Frauen stellten unter Beweis, dass sie mit Gegenwind gut umgehen können. McMahon arbeitete sich in einer Männerwelt von ganz unten bis an die Spitze, Chao kam als Achtjährige auf einem Frachtschiff aus Taipeh in den USA an und hantelte sich von Begabtenstipendium zu Begabtenstipendium bis an die Spitze Washingtons, DeVos wurde bereits bei ihren ersten politischen Gehversuchen im Heimatstaat Michigan als „politischer Pitbull“ und „Strippenzieherin“ beschrieben.

Böses Establishment, gutes Establishment

Bei McMahon, DeVos und Chao dürften allerdings auch Faktoren abseits der fachlichen Eignung eine Rolle gespielt haben. Chao kann Trump nicht nur die dringend nötige jahrelange Erfahrung in der Washingtoner Politik bieten, sondern ist auch mit dem republikanischen Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, verheiratet - viel mehr Politestablishment, gegen das Trump im Wahlkampf kampagnisierte, geht kaum.

Lohnende Investitionen

Bei der Wahl der Milliardärinnen McMahon und DeVos dürfte auch Dankbarkeit eine Rolle gespielt haben. Beide scheiterten mit ihren eigenen politischen Ambitionen bisher und schlugen sich im letzten Wahlkampf als zwei der wenigen traditionellen republikanischen Großspender früh auf Trumps Seite. Schon im September war sich McMahon der Sinnhaftigkeit ihrer Investitionen aber sicher, als sie über Trump meinte: „Wenn man ihn sich einmal zum Freund gemacht hat, ist er loyal bis zum Ende.“

Zumindest kann man Trump in dieser Hinsicht keine sexistische Neigung unterstellen: Jeff Sessions war lange Zeit der einzige US-Senator, der sich für Trump aussprach, und wird nun Justizminister. Milliardär Wilbur Ross, ebenfalls Großspender für Trump, wird Handelsminister. Weiterhin offen ist die Führung von Außen-, Innen-, Energie- und Agrarministerium sowie der Posten des Geheimdienstdirektors.

Rudy Giuliani aus dem Rennen

New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani ist jedenfalls aus dem Rennen um das Amt des US-Außenministers ausgeschieden. Giuliani habe bereits Ende November seinen Namen von der Liste streichen lassen, erklärte Trump am Freitag. Giuliani war im Wahlkampf einer der lautstärksten Unterstützer Trumps gewesen.

Dieser lobte ihn in der Mitteilung in den höchsten Tönen. Trump erklärte, er könne sich zu einem späteren Zeitpunkt einen wichtigen Regierungsposten für Giuliani vorstellen. Dieser ließ selbst erklären, er werde nun mit noch größerem Enthusiasmus in seine Anwalts- und Beratungsfirma zurückkehren. Medienberichten zufolge hat Trump geärgert, dass Giuliani das Amt des Außenministers zu öffentlich für sich reklamiert habe.

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