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Wer bleibt länger in der Luft?

In der kommenden Woche soll der längste kommerzielle Nonstop-Flug weltweit genehmigt werden: Starten sollen die Maschinen im westaustralischen Perth, landen 17,5 Stunden später und 14.500 Kilometer weiter in London, wie australische Medien am Samstag berichteten.

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Die ersten Flüge könnten Weihnachten 2017 starten, wenn die Fluggesellschaft Qantas die erste Lieferung ihrer Langstreckenflugzeuge Boeing 787 Dreamliner erhalten habe. Bisher war die Rekordstrecke 14.200 Kilometer lang - von Dubai nach Auckland, geflogen seit März 2016 von der Airbus-A380-Flotte der Gesellschaft Emirates. Dieser Flug dauert 16 Stunden und 35 Minuten. Davor hielt Qantas den Nonstop-Rekord: Die 13.800 Kilometer lange Route von Dallas nach Sydney dauert 17 Stunden.

Alter Rekord soll gebrochen werden

Die Konkurrenz ist groß, denn ab 2018 will die Fluglinie Singapore Airlines mit einem 19-Stunden-Flug die 15.300 Kilometer vom New Yorker Flughafen Newark nach Singapur und 16.600 Kilometer zurück bewältigen, wie es bereits im Frühjahr hieß. Mit Nonstop-Flugreisen hat das Unternehmen Erfahrung, schon von 2004 bis 2013 war es bereits auf dieser Strecke unterwegs gewesen - mit einer Flugzeit von 18 Stunden hält man damit bis jetzt den Rekord.

Neben seit einigen Jahren niedrigeren Kerosinpreisen hat laut dem „Wall Street Journal“ („WSJ“) das neu aufgeflammte Interesse an langen Routen auch mit dem Aufkommen von für diesen Zweck geeigneten Flugzeugen der Hersteller Boeing und Airbus zu tun.

Kerosinersparnis von 20 Prozent erhofft

Mit dem vergleichsweise sparsamen und für weite Strecken prädestinierten Boeing-Modell 777-200LR wird derzeit noch die Strecke Dubai - Auckland bewältigt. Der Nachfolger 787 und die Konkurrenzmaschine A350 von Airbus sollen dem „WSJ“ zufolge mit einer Ersparnis von 20 Prozent noch weniger Treibstoff benötigen und sich für extrem lange Strecken besonders gut eignen. Von den größeren und damit geräumigeren Fliegern sowie heutzutage ohnehin obligaten Unterhaltungssystemen profitieren auch die Kunden.

200 Sitze statt 300

Als Reisender derart lange in einem Flieger eingepfercht zu sein, erscheint prinzipiell wenig reizvoll. Entsprechend wird laut „Süddeutscher Zeitung“ vom Frühjahr auch beim Interieur der Maschinen reagiert. Eine an die jeweilige Flugphase angepasste Beleuchtung ist Standard, die Sessel werden zunehmend bequemer. Singapore Airlines plant zudem für künftige Ultralangstreckenflüge, im Airbus A350 statt der üblichen 300 Sitze weniger als 200 zu besetzen.

Die Investitionen der Fluglinien in Ultralangstrecken sind freilich nicht frei von Risiko. Sie lohnen sich nur, wenn die Buchungslage stimmt. Aufgrund der weiten Strecken erhöht sich das Gewicht, müssen doch große Mengen an Kerosin transportiert werden. Mehr Gewicht bedeutet mehr Energieverbrauch - ein Teufelskreis. Auch muss für die bei längeren Routen benötigten größeren Maschinen mehr Personal eingesetzt werden. Bei fürs Tanken gedachten Zwischenstopps würden die jeweiligen Flieger wiederum zwei Stunden Zeit an die Konkurrenz verlieren, die auf direktem Wege früher am Ziel wäre.

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