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Längster Konflikt in Lateinamerika

Mit der feierlichen Unterzeichung des Friedensabkommens zwischen Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos und dem FARC-Kommandeur Rodrigo Londono alias „Timoschenko“ ist ein Ende des längsten Konflikts Lateinamerikas nun zum Greifen nahe. Begonnen haben die Auseinandersetzungen bereits 1964.

27. Mai 1964: Die Armee greift aufständische Bauern in den Anden an. Unter der Führung von Manuel Marulanda ("Tirofijo) gründen 38 Überlebende den Bloque Sur. Das gilt den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) als ihr Gründungsmoment.

1978: Es wird ein siebenköpfiges Sekretariat als Führungsgremium der Guerillagruppe geschaffen, die nunmehr über tausend Kämpfer verfügt, die an sieben Fronten aktiv sind.

28. März 1984: Die FARC erklärt eine Waffenruhe und nimmt Verhandlungen mit dem kolumbianischen Staatschef Belisario Betancur auf.

1986: Die Patriotische Union (PU) tritt als politischer Arm der Rebellengruppe zur Parlamentswahl an und stellt den Juristen Jaime Pardo für die Präsidentschaftswahl auf.

11. Oktober 1987: Rechtsextreme Paramilitärs ermorden Pardo und bringen in der Folge rund 3.000 weitere PU-Mitglieder um.

1. Juni 1991: Die Regierung nimmt in der venezolanischen Hauptstadt Caracas einen Dialog mit der FARC auf, der bis Juni 1992 läuft.

30. August 1996: Die Guerilla nimmt bei einem Angriff auf einen Militärstützpunkt 60 Soldaten gefangen. Damit beginnt eine Reihe von Geiselnahmen.

7. Jänner 1999: Beginn eines Dialogs mit Präsident Andres Pastrana. Die FARC erhält die Kontrolle über ein 42.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Südosten.

20. Februar 2002: Nach der Entführung eines Flugzeugs bricht Pastrana den Dialog ab. Drei Tage später wird die grüne Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt verschleppt.

7. August 2002: Alvaro Uribe übernimmt das Präsidentenamt und verspricht, die FARC zu besiegen. Bei einem FARC-Angriff auf den Präsidentenpalast werden 21 Menschen getötet.

5. Februar 2008: Fünf Millionen Menschen demonstrieren in verschiedenen Städten Kolumbiens gegen die FARC und für die Freilassung der Geiseln.

1. März 2008: Kolumbianische Truppen dringen bei einem Einsatz nach Ecuador vor und töten dort die Nummer zwei der FARC, Raul Reyes.

24. März 2008: Die FARC verkündet den Tod ihres Gründers „Tirofijo“ im Alter von 80 Jahren. Nachfolger wird „Alfonso Cano“.

2. Juli 2008: Betancourt und 14 weitere Geiseln werden bei einer kolumbianischen Militäroperation aus der Hand der Guerilla befreit.

20. Juni 2010: Der frühere Verteidigungsminister Juan Manuel Santos wird zum Präsidenten gewählt. Er verspricht die Fortsetzung von Uribes Kampf gegen die FARC.

4. November 2011: Die Armee tötet den FARC-Kommandeur Cano. Nachfolger wird „Timochenko“.

19. November 2012: Nach mehrmonatiger Vorbereitung werden in Havanna unter Vermittlung Kubas und Norwegens Verhandlungen aufgenommen.

26. Mai 2013: Einigung zur ländlichen Entwicklung, dem ersten der sechs Verhandlungskapitel.

6. November: Einigung zur politischen Beteiligung früherer FARC-Mitglieder.

16. Mai 2014: Einigung zum Kampf gegen den illegalen Drogenanbau.

21. August 2015: Gründung einer Kommission zur Geschichte des Konflikts und Beginn von Verhandlungen über eine Waffenruhe und die Entwaffnung der FARC.

20. Dezember 2015: Nach einer mehrwöchigen Aussetzung der Verhandlungen wegen der Entführung eines Generals Beginn der ersten einseitigen und unbegrenzten Waffenruhe der FARC.

15. April 2015: Bei einem FARC-Angriff werden elf Soldaten getötet. Die Regierung nimmt ihre im März ausgesetzten Luftangriffe auf die Guerilla wieder auf.

23. Mai 2015: Nach dem Tod von 26 FARC-Kämpfern bei Luftangriffen der Armee kündigt die Rebellengruppe ihre einseitige Waffenruhe auf.

20. Juli 2015: Die FARC beginnt eine neue einseitige Feuerpause. Santos setzt daraufhin die Luftangriffe wieder aus.

17. September 2015: Die FARC verkündet ihre Bereitschaft, sich in eine politische Bewegung umzuwandeln.

23. September 2015: Die Unterhändler einigen sich in Havanna auf den juristischen Rahmen zur Aufarbeitung des Konflikts. Binnen sechs Monaten soll es einen abschließenden Friedensvertrag geben. Santos trifft Timochenko in der kubanischen Hauptstadt.

22. Juni 2016: Die kolumbianische Regierung und die FARC verkünden über Twitter die Einigung auf einen Waffenstillstand.

24. August 2016: Nach Einigung in allen strittigen Fragen unterzeichnen die Unterhändler in Havanna ein „abschließendes, umfassendes und endgültiges Friedensabkommen“, das den Konflikt beenden soll. In Kraft treten kann es nur, wenn es am 2. Oktober in einer Volksabstimmung gebilligt wird.

29. August 2016: Ein beidseitiger Waffenstillstand tritt in Kraft.

26. September 2016: Santos und Timochenko unterzeichnen den Friedensvertrag.

2. Oktober 2016: Die Bevölkerung lehnt das Abkommen in einer Volksabstimmung ab, wozu auch Uribes rechtskonservative Partei Centro Democratico durch heftige Kampagnisierung gegen den Vertrag beiträgt.

30. November 2016: Der Vertrag, der aus verfassungsrechtlicher Sicht zu seiner Genehmigung keine Volksabstimmung braucht, wird ohne neuerliches Plebiszit von beiden Kammern des Parlaments gebilligt. Die Konservativen boykottieren die Abstimmung.

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