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„Letzter Konflikt des Westens beigelegt“

Für die Beendigung des jahrzehntelangen Bürgerkrieges in Kolumbien ist Präsident Juan Manuel Santos am Samstag mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. „Den meisten von uns erschien Frieden wie ein unmöglicher Traum“, sagte der Preisträger bei der Zeremonie in Oslo. Jetzt hätten die Kolumbianer das Unmögliche möglich gemacht, auch dank des Nobelpreises als „Geschenk des Himmels“.

Kurz vor der Verleihung war der historische Friedensvertrag zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerilla beschlossen worden. Ein erster Versuch, das Abkommen durchzusetzen, war im Oktober an dem Nein des Volkes bei einem Referendum gescheitert. Das Nobelpreiskomitee räumte am Samstag ein, dass man mit der Verleihung des Nobelpreises den „auf der Kippe stehenden“ Friedensschluss retten habe wollen.

Santos räumt Fehleinschätzung ein

Santos räumte dabei ein, dass er sich mit dem gescheiterten Referendum verspekuliert habe. Es war verfassungsrechtlich nicht nötig, sollte jedoch die demokratische Legitimation unterstreichen. Das Votum der Bevölkerung gegen den Frieden sei für ihn genauso überraschend gekommen wie die Zuerkennung des Nobelpreises vier Tage später, sagte Santos. In dem Bürgerkrieg waren seit 1964 über 220.000 Menschen gestorben, Millionen wurden vertrieben.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos

APA/AFP/Norway OUT/NTB Scanpix/NTB Scanpix/ Lise Aserud

Applaus für Santos

Er nehme den Preis im Namen seines Volks und der vielen Opfer des Krieges entgegen, erklärte Santos und unterstrich gleich eingangs mit Stolz: „Meine Damen und Herren, es gibt einen Krieg weniger auf der Welt.“ „Der älteste und letzte bewaffnete Konflikt der westlichen Hemisphäre“ sei damit beigelegt. Mit dem kolumbianischen Friedensvertrag sei erstmals in der Geschichte „der amerikanische Kontinent - von Alaska bis Patagonien - friedliches Land“.

Harsche Kritik an „Krieg gegen Drogen“

Unter den Gästen waren auch Vertreter der Opfer der FARC, etwa die frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die von der FARC jahrelang als Geisel gehalten wurde. Sie spendeten Santos’ Worten demonstrativ Beifall. Vertreter der FARC konnten nicht teilnehmen, da sie wegen der weiterhin aufrechten US-Einstufung der FARC als Terrororganisation die Verhaftung und Auslieferung in die USA befürchten hätten müssen.

Santos sparte in seiner Rede auch nicht mit Kritik an der Politik der USA und anderer Länder, die sich den „Krieg gegen die Drogen“ auf die Fahnen heften. Dieser habe enorme Gewalt und verheerende ökologische Schäden in den betroffenen Ländern verursacht und Dialog verunmöglicht. Zudem sei es widersinnig, „einen Bauern einzusperren, der Marihuana anbaut, wenn inzwischen Anbau und Verbrauch in acht US-Bundesstaaten legal sind“.

„Immer noch ein langer Weg“

„Es ist immer noch ein langer Weg zu gehen“, mahnte Nobeljurorin Berit Reiss-Andersen bei der Feier. „Nach 50 Jahren des bitteren Konflikts geschieht die Versöhnung nicht über Nacht.“ Sie lobte Santos’ „erheblichen politischen Mut und große Ausdauer“ für den Frieden. Der Preis sei auch „als Tribut an das kolumbianische Volk gedacht - ein Volk, das die Hoffnung auf Frieden trotz großer Nöte und unzähliger Ungerechtigkeiten nie aufgegeben hat“.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos

APA/AFP/Norway OUT/NTB Scanpix/NTB Scanpix/Haakon Mosvold Larsen

Santos mit Nobelpreisurkunde und -medaille

Der Friedensnobelpreis wird gemäß dem Willen von Stifter Alfred Nobel als einziger in Norwegen vergeben. Die Preise der anderen Kategorien wurden am Nachmittag im schwedischen Stockholm überreicht. Anwesend waren die Gewinner der Preise für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaft. Literaturnobelpreisträger Bob Dylan, der kein Interesse an der Feier gezeigt und damit die Nobelpreisjury verstimmt hatte, fehlte.

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