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Washingtons Gerüchteküche brodelt

Die Angelobung des neuen US-Präsidenten Donald Trump wird neben der Zeremonie im Freien auf dem Kapitol traditionell von einem Reigen von Festivitäten in der Haupstadt Washington DC begleitet: Jede Menge Bälle und Konzerte mit hochrangigen Stars gehören zum Standardprogramm.

Unmittelbar nach seinem Wahlsieg hatte das Übergangsteam des Republikaners Trump ein eigenes Organisationskomitee für die Angelobung gegründet. Dieses wird seither laut US-Medienberichten von spendenwilligen Konzernen, Interessenvertretungen und Lobbyisten geradezu bedrängt - es dürfte die mit Abstand teuerste Inauguration in der US-Geschichte werden.

Keine Chance auf Beyonce

Allerdings hat Trumps Team offenbar noch Probleme, hochkarätige Stars zu finden, die willens sind, für Trump aufzutreten. Präsident Barack Obama wurde bei seiner erstmaligen Angelobung etwa von Beyonce und Aretha Franklin mit Auftritten beehrt. In seiner Zeit als Präsident traf er unter anderen Stars wie Rihanna, James Taylor und Kendrick Lamar.

US-Sängerin Katy Perry mit Hillary Clinton

AP/Julio Cortez

Popstars wie Katy Perry, Madonna und Beyonce warben aktiv für Hillary Clinton

„Es ist schwierig“

Laut der US-Website The Wrap hat Trump Probleme, ähnlich hochkarätige Musikstars zu bekommen. „Sie rufen Manager und Agenten an, jeden in der Stadt, um zu schauen, wen sie bekommen können. Aber es ist schwierig“, zitierte The Wrap einen Insider. Der Grammy-Gewinner John Legend, der mehrmals zu Gast bei den Obamas war, zeigte sich „gar nicht überrascht“. „Wir Künstler sind eher liberal eingestellt. Wenn sie jemanden sehen, der Teilung, Hass und Fanatismus predigt, dann wollen die Künstler meist nicht mit der Person in Verbindung gebracht werden.“

US-Sänger Kid Rock

AP/Reinhold Matay

Kid Rock ist politisch auf einer Wellenlänge mit Trump

„Würde das niemals tun“

„Ich würde das niemals tun“, betonte auch der schwedische Star Zara Larsson am Rande der BBC Music Awarads. Viele Künstlerinnen und Künstler hätten sich klar für Hillary Clinton und gegen Trump ausgesprochen. Im November hatte Trumps Team verkündet, Elton John würde auftreten - was von seinem Management umgehend und entrüstet als erfunden zurückgewiesen wurde. Seither wurden mehrere weniger prominente Namen in den Medien genannt - etwa der Rocker Kid Rock und der Country-Sänger Billy Ray Cyrus.

Gespräche über das Leben mit Kanye West

Zumindest einen veritablen Star kann Trump in seinem Freundeskreis vorweisen: den derzeit angeschlagenen Rapper Kanye West. Die beiden zeigten sich am Dienstag gemeinsam in der Lobby des Trump Tower in New York. Er und West seien „einfach Freunde, nur Freunde“, sagte der künftige US-Präsident. „Ein guter Mann“, so Trump weiter über den neuerdings erblondeten Musiker. Mit Journalisten wollte der zuletzt wegen Erschöpfung im Krankenhaus behandelte West nicht sprechen. Seine Tournee hatte er unlängst abgebrochen.

Donald Trump trifft Kayne West im Trump-Tower

APA/AFP/Timothy A. Clary

Kanye West und Trump im Blitzgewitter in der Lobby des Trump Tower

Laut der Promiwebsite TMZ.com soll das Treffen auf Wests Initiative hin zustande gekommen sein. Die beiden hätten über das Leben gesprochen, sagte Trump den Journalisten. Dann verabschiedeten sich die beiden mit in der Hip-Hop-Szene typischem Handschlag. Er solle auf sich aufpassen - „bis bald“, so Trump zum Abschied. Der Rapper hatte sich im November bei einem Konzert im kalifornischen San Jose als Unterstützer Trumps bezeichnet und war dafür ausgebuht worden. Er sagte damals jedoch auch, dass er bei der Wahl am 8. November nicht gewählt habe.

West schrieb später in dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Ich finde es wichtig, einen direkten Draht der Kommunikation zu unserem künftigen Präsidenten zu haben, wenn wir einen echten Wandel wollen.“ In einem weiteren Tweet postete West lediglich „#2024“ - in acht Jahren wird nach 2020 in den USA wieder ein US-Präsident gewählt.

Zwischen A- und B-Stars

Laut The Wrap bemüht sich Trumps Team aber immer noch um A-Stars wie Bruno Mars und Justin Timberlake. Angeblich soll die Verzweiflung mittlerweile so groß sein, dass sie - entgegen der Tradition - den Künstlern sogar viel Geld für einen Auftritt anbieten sollen. Das wird vom Sprecher des Angelobungskomitees, Boris Epshteyn, aber dezidiert abgestritten. „Niemand mit einer offiziellen Funktion oder offiziellen Beziehung zum Komitee unternimmt etwas dergleichen“, sagte Epshteyn gegenüber The Wrap.

Sicher ist, dass Sängerinnen oder Sänger auftreten werden - aber an ihrer Prominenz und ihrer politischen Ausrichtung wird sich bis zu einem gewissen Grad auch ablesen lassen, wie sehr es Trump schafft, auch Gegner für eine Zusammenarbeit zu gewinnen.

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