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„Nur in Amerika“

Der designierte US-Präsident Donald Trump ist für seine ebenso leidenschaftliche wie umstrittene Nutzung des Kurznachrichtendienstes Twitter bekannt. Am Donnerstag griff Trump einmal mehr einen Journalisten auf Twitter an. „Graydon Carter, kein Talent, wird rausfliegen“, schrieb er über den Chefredakteur der Zeitschrift „Vanity Fair“.

Trump forderte zudem seine 17,3 Millionen Twitter-Follower auf, sich die „wirklich armseligen“ Geschäftszahlen von „Vanity Fair“ anzusehen. "Ziemlich unten, großer Ärger, tot!“, kommentierte er die wirtschaftliche Lage des Magazins.

Carter hatte sein Editorial der Dezember-Ausgabe von „Vanity Fair“ dem zukünftigen US-Präsidenten gewidmet. Inspiriert von Jay & The Americans’ Song „Only in America“, der die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten für jedermann preist, listet Carter 21 Dinge auf, die ihm nur in den USA möglich scheinen - alle bezogen sich auf Trump. So sei es zum Beispiel „only in America“ möglich, dass ein Mann, der als Nachtlektüre Reden Hitlers neben dem Bett liegen habe, die zweitgrößte jüdische Bevölkerung der Welt regiere.

Pommes frites und Politik

In einem anderen Artikel verriss „Vanity Fair“ das Restaurant „Trump Grill“ im Trump Tower. In einem Artikel mit dem Titel „Trump Grill könnte das schlechteste Restaurant in Amerika sein“ wird Trumps Restaurant als eines der schlechtesten der USA bezeichnet, das nicht einmal Pommes frites richtig hinbekomme. Das Magazin deutete die angeblich miserable Qualität des Essens zudem als alarmierendes Vorzeichen für die Trump-Präsidentschaft.

Die Popularität des „Trump Grill“ hat seit dem Wahlsieg Trumps zugenommen. Viele Touristen kehren dort in der Hoffnung ein, einen Blick auf den gewählten Präsidenten oder einen seiner Kandidaten für Regierungsposten erhaschen zu können.

Jahrzehntelange Fehde

Trump hatte vor und nach seiner Wahl wiederholt gegen Medien geschossen, die sich kritisch über ihn geäußert hatten. So hatte er nach der Wahl unter anderem den Sender CNN und die „New York Times“ beleidigt. Angesichts dieser Töne dürfte sich bei der „Vanity Fair“ niemand über Trumps Ausraster gewundert haben.

Vanity-Fair-Chefredakteur Graydon Carter

Reuters/Danny Moloshok

Graydon Carter im Februar bei der Oscar-Party von „Vanity Fair“ in Beverly Hills

Dass Trump dünnhäutig ist, stellte auch Chefredakteur Carter im Vorwort fest: „Nur in Amerika kann jemand, der wegen der kleinsten Kleinigkeiten ausrastet, Verhandlungsführer mit den Russen, Chinesen und Nordkoreanern werden.“ Trump und Carter verbindet eine lange Fehde. Der „Vanity Fair“-Chefredakteur hatte schon vor zweieinhalb Jahrzehnten, damals noch bei dem Satiremagazin „Spy“, kritisch über Trump berichtet. „Vanity Fair“ wirbt neuerdings mit dem Slogan „Das Magazin, von dem Trump nicht möchte, dass Sie es lesen“ für den Kauf von Abos.

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