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Drei Tote bei Protesten

Weil es kaum noch Bargeld gibt, ist es am Freitag (Ortszeit) in Venezuela zu gewaltsamen Protesten und Plünderungen gekommen. Bei schweren Ausschreitungen in der Bergarbeiterstadt Callao im Süden des Landes wurden drei Menschen bei Geschäftsplünderungen getötet.

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In Maracaibo, der zweitgrößten Stadt des Landes, sollen Polizisten attackiert worden sein. In Maturin habe es Straßenblockaden und Plünderungen gegeben. In Puerto la Cruz gab die Polizei laut einer Bankangestellten Warnschüsse ab, weil Bankkunden protestierten, als sie kein Geld abheben konnten. In Santa Barbara wurden bei einem versuchten Überfall auf einen Geldtransporter vier Menschen verletzt, als die Fahrer das Feuer eröffneten.

100-Bolivar-Schein nicht mehr gültig

Der Hintergrund des Bargeldmangels: Aufgrund der galoppierenden Inflation hat die venezolanische Regierung in einer Hauruckaktion die Einführung von größeren Geldscheinen angekündigt. Der 100-Bolivar-Schein, bisher der größte Schein, wird nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert. Stattdessen soll es Scheine im Wert von 1.000, 2.000, 5.000, 10.000 und 20.000 geben. Die Banken haben diese allerdings noch nicht bekommen.

Demonstranten in San Cristobal

APA/AFP/George Castellanos

Die Proteste verteilten sich über das ganze Land, hier in San Cristobal

Die meisten Geldautomaten der öffentlichen und privaten Banken konnten am Freitag keine Scheine mehr herausgeben. „Außer Betrieb“ war auf den Bildschirmen zu lesen. „Es gibt kein Geld, deshalb können wir die Automaten nicht befüllen und neu programmieren“, sagte eine Bankangestellte. Millionen Venezolaner stehen nun vor Weihnachten ohne Bargeld da. Rund 40 Prozent der Bevölkerung haben kein Konto und können nicht bargeldlos zahlen.

Die 100er-Scheine machten bis dato fast die Hälfte des sich im Umlauf befindlichen Bargeldes aus. Die Banknote ist allerdings kaum etwas wert - dank Vorsorgungskrisen haben selbst die simpelsten Güter des alltäglichen Lebens hohe Preise. Selbst kleine Anschaffungen werden in Venezuela mit dicken Geldbündeln bezahlt. Aus Finanzkreisen hieß es, die neuen Scheine sollten erst in der kommenden Woche ausgegeben werden.

Maduro sieht US-Verschwörung

Der sozialistische Staatschef Nicolas Maduro hatte die Einführung der neuen Scheine per Fernsehen angekündigt. Maduro zufolge wird aus Kolumbien, aber auch aus Deutschland, Tschechien und der Ukraine gezielt Bargeld aus Venezuela aufgekauft, um dem Land Liquidität zu entziehen und die Wirtschaft zu destabilisieren. Das habe das US-Finanzministerium eingefädelt.

Demonstranten vor der Venezolanischen Zentralbank

APA/AFP/Cortesia Panorama/Luis Bravo

Aufgebrachte Menschen in Maracaibo

De facto leidet das erdölreichste Land der Welt aufgrund von Misswirtschaft, Korruption, niedrigen Erdölpreisen und Devisenmangel seit Monaten an einer schweren Versorgungskrise. Es hat die höchste Inflation weltweit. Die Regierung macht keine Angaben zur Teuerungsrate, aber Experten rechnen mit 600 bis 700 Prozent Inflation im laufenden Jahr. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet 2017 sogar eine Inflationsrate von mehr als 1.600 Prozent.

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