Themenüberblick

Ohne Licht in Menschenmenge gerast?

In Berlin ist am Montagabend ein Lkw in einen Weihnachtsmarkt gerast. Die Polizei ging rasch von einem Anschlag aus, später wollten Behörden auch einen Unfall nicht mehr ausschließen. Es gibt mindestens zwölf Tote, fast 50 Personen werden im Spital behandelt.

Der Platz um die Gedächtniskirche wurde weiträumig abgesperrt. Augenzeugen berichteten, dass Tote auch unter dem Lkw lagen. Offenbar fuhr der schwarze Lastwagen mit polnischem Kennzeichen ohne Licht in das Areal ein, 60 bis 80 Meter weit sei das Fahrzeug über das Areal gefahren. Zur Geschwindigkeit des Fahrzeugs wollte die Polizei noch keine Angaben machen. Passanten berichteten nach Angaben des Berliner „Tagesspiegel“ von einem lauten Knall.

De Maiziere: „Viel spricht für Anschlag“

Auch habe man keine klaren Hinweise, ob es sich bei der Todesfahrt des Lkw um einen Unfall oder einen Anschlag handelt. „Im Moment müssen wir sagen, dass beide Richtungen möglich sind“, sagte ein Polizeisprecher in der Nacht. „Manche Parallelen drängen sich auf“, fügte er mit Blick auf Mutmaßungen über einen Anschlag hinzu. Gesicherte Erkenntnisse gebe es aber vorerst nicht. Innenminister Thomas de Maiziere wollte „jetzt noch nicht das Wort Anschlag in den Mund nehmen“, wie er sagte. „Viel spricht dafür“, sagte er in der ARD.

LKW in Weihnachtsmarkt

Reuters/Fabrizio Bensch

Der Lkw trägt ein polnisches Kennzeichen

Fahrer festgenommen - Beifahrer tot

Nach Polizeiangaben sei ein Verdächtiger tot. Über die Todesursache des Mannes, der als Beifahrer im Führerhaus des Lastwagens saß, sei laut den Angaben vorerst nichts bekannt. Er könnte bei der Fahrt ums Leben gekommen sein, hieß es. Er sei polnischer Staatsbürger.

Ein anderer Verdächtiger - offenbar der Fahrer - sei inzwischen festgenommen worden, hieß es von der Polizei. Das Führerhaus des Sattelschleppers sei von der Polizei zunächst leer aufgefunden worden, sagte der Sprecher. Der mutmaßliche Täter sei zwischenzeitlich auf der Flucht gewesen. Es soll sich nach Medienberichten um einen Afghanen oder um einen Pakistani handeln - eine Bestätigung gibt es dafür aber nicht.

Spediteur: Seit 16.00 Uhr kein Kontakt zum Fahrer

Polnische Medien lieferten inzwischen Einzelheiten zum Fahrzeug: Nach Aussage des polnischen Spediteurs Ariel Zurawski, dem der Lastwagen gehört, gab es seit 16.00 Uhr keinen Kontakt mehr zu dem Fahrer, seinem Cousin. Seither sei dieser nicht ans Telefon gegangen, sagt er dem polnischen Sender TVN 24. Der Lkw habe Stahlgestelle aus Italien transportiert und hätte am Dienstag in Berlin entladen werden sollen. Er gehe davon aus, dass der Lastwagen entführt worden sei.

Die Berliner Polizei forderte die Bevölkerung auf, zu Hause zu bleiben und keine Gerüchte zu verbreiten. Man arbeite auf Hochtouren, hieß es weiter. Zudem rief die Polizei dazu auf, keine Videos vom Geschehen zu teilen.

LKA ermittelt an Ort und Stelle

Generalbundesanwalt Peter Frank übernehme den Fall, teilte der deutsche Justizminister Heiko Maas (SPD) am Abend über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die Ermittlungen an Ort und Stelle übernahm das Landeskriminalamt (LKA), wie die Berliner Polizei mitteilte.

Karte zeigt Anschlagsort in Berlin

Grafik: APA/OSM/ORF.at; Quelle: APA

Bürgermeister: „Situation unter Kontrolle“

Nach den Worten von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) sei die Situation in der Stadt unter Kontrolle. Der Regierungschef reagierte schockiert auf die Attacke. „Was wir hier sehen, ist dramatisch“, sagte Müller am Montagabend auf dem Breitscheidplatz. Seine Gedanken seien bei den Familien, die Tote oder Verletzte zu beklagen hätten.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zeigte sich bestürzt: „Wir trauern um die Toten und hoffen, dass den vielen Verletzten geholfen werden kann“, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montagabend über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Merkel sei mit Innenminister Thomas de Maiziere und Bürgermeister Müller in Kontakt.

Bisher keine Hinweise auf Opfer aus Österreich

Das Außenministerium in Wien hat derzeit keine Hinweise auf österreichische Opfer. Zum jetzigen Zeitpunkt könne das aber noch nicht gänzlich ausgeschlossen werden, sagte Außenamtssprecher Peter Guschelbauer am Montagabend.

In der österreichischen Botschaft in Berlin sei ein Krisenstab eingerichtet worden, der mit den lokalen Behörden in Kontakt stehe. Das Außenministerium habe zudem eine Hotline zu den Geschehnissen in Berlin eingerichtet. Diese sei aus dem Inland unter 0501150/4411 und aus dem Ausland unter 0043/190115/4411 zu erreichen.

Links: