Themenüberblick

Stärkstes BIP-Wachstum in Tirol

Die Einkommensschere geht in Österreich immer weiter auf - und die Realeinkommen sind seit Jahren rückläufig. Zu diesen jüngsten Zahlen hat die Statistik Austria am Donnerstag noch eine weitere interessante Aufschlüsselung hinzugefügt - nämlich die Einkommenssituation je nach Bundesland.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Am meisten Einkommen haben der Statistik zufolge Vorarlbergerinnen und Vorarlberger zur Verfügung - vor Niederösterreichern und Salzburgern. Das Pro-Kopf-Einkommen im Burgenland liegt erstmals seit 15 Jahren im österreichweiten Durchschnitt, während es in Tirol, der Steiermark, Wien und Kärnten unter dem Schnitt liegt.

In Wien schrumpfte als einzigem Bundesland das verfügbare Einkommen im Vergleich zu 2014. Das erklärt die Statistik Austria mit dem fast doppelt so starken Bevölkerungswachstum (1,9 Prozent) im Vergleich zum landesweiten Durchschnitt (1,0 Prozent).

Grafik zum Einkommen in Österreich

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: Statistik Austria

Bei der Entwicklung des verfügbaren Einkommens der privaten Haushalte seit 2010 ist Kärnten Schlusslicht vor Wien, am stärksten stiegen die Einkommen in Vorarlberg und Tirol.

West-Ost- und Stadt-Land-Gefälle

Die Wirtschaftskraft zeigt insgesamt ein West-Ost- und ein Stadt-Land-Gefälle. Im Jahr 2015 gab es zwar in allen Bundesländern ein positives nominelles Wirtschafts-, Beschäftigungs- und Einkommenswachstum, regional gab es jedoch große Unterschiede. Das Bruttoregionalprodukt (BRP) war in Wien mit 47.700 Euro am höchsten.

Warum Wien bei Einkommen schlecht abschneidet

Bei den Daten der Regionalen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung gilt es zu berücksichtigen, dass das BRP am Ort der Arbeitsstätte gemessen wird, das Pro-Kopf-Einkommen aber am Wohnort. Daher ergeben sich etwa für Wien große Differenzen: Beim BRP liegt Wien mit 47.700 Euro an der Spitze, während beim Pro-Kopf-Einkommen Wien mit 21.500 Euro - gemeinsam mit Kärnten - auf dem letzten Platz liegt.

Grafik zum Einkommen in Österreich

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: Statistik Austria

Dabei kommt zum Tragen, dass Gutverdienende häufig in Wien arbeiten, aber im „Speckgürtel“ in Niederösterreich wohnen, erläuterte Statistik-Austria-Generaldirektor Konrad Pesendorfer.

Die regionale Wertschöpfung ist also am größten in Wien mit 47.700 Euro je Einwohner, gefolgt von Salzburg mit 46.100 Euro und Vorarlberg mit 42.300 Euro. Tirol folgt knapp dahinter mit 42.000 Euro, vor Oberösterreich mit 40.300 Euro. Unter dem Österreich-Schnitt von 39.400 Euro BRP pro Einwohner liegen die Steiermark mit 35.400 Euro, Kärnten mit 33.300 Euro, Niederösterreich mit 32.500 Euro und recht abgeschlagen das Burgenland mit 27.500 Euro.

Schwächstes Wachstum in der Steiermark

Am stärksten wuchs die Wirtschaft 2015 in Tirol, Salzburg und dem Burgenland mit je 3,6 Prozent, während das Österreich-BIP (nominell) um nur 2,9 Prozent zulegte. Wachstumsschlusslichter waren die Steiermark mit 2,2 Prozent und Kärnten mit 2,3 Prozent. Die verfügbaren Einkommen je Einwohner stiegen am stärksten im Burgenland mit 2,3 Prozent, Schlusslichter waren Kärnten, Niederösterreich und Oberösterreich mit je 1,4 Prozent. Österreichweit legten die Einkommen um 1,6 Prozent (nominell) zu.

Stärkste Region: Linz-Wels

Aufgegliedert nach Regionen (NUTS-3-Regionen) liegt beim BRP je Einwohner 2014 die Region Linz-Wels mit 48.900 Euro an der Spitze, knapp vor Salzburg und Umgebung mit 48.800 Euro. Auf dem dritten Platz liegt Wien mit 47.300 Euro, gefolgt von der Region Bludenz-Bregenzer Wald mit 46.200 Euro und Graz mit 45.100 Euro.

Die schwächsten fünf Gebiete sind Oberkärnten (25.800 Euro), das Mühlviertel (24.900 Euro), das Südburgenland (23.900 Euro), das Mittelburgenland (22.500 Euro) sowie das Weinviertel, das österreichweit mit 20.200 Euro auf dem letzten Platz liegt.

Womit die einzelnen Länder punkten

Die Struktur der Wirtschaft ist in den einzelnen Bundesländern recht unterschiedlich: So weist Oberösterreich den höchsten Anteil von Warenproduktion aller Bundesländer auf und liegt hier mit 30,3 Prozent Anteil an der Bruttowertschöpfung weit über dem Österreich-Schnitt von 18,9 Prozent und knapp vor Vorarlberg mit einem Warenproduktionsanteil von 29,9 Prozent.

Das Tourismusland Tirol liegt bei Beherbergung und Gastronomie mit 14,2 Prozent Wertschöpfungsanteil österreichweit an der Spitze. In Salzburg, wo große Autofirmen ihren Sitz haben, macht der Handel mit Fahrzeugen mit 16,4 Prozent den Löwenanteil an der Bruttowertschöpfung aus.

In der Bundeshauptstadt stützt sich die Wertschöpfung stark auf freiberufliche, technische und wirtschaftliche Dienstleistungen mit einem Anteil von 14,7 Prozent, hingegen bildet die Warenproduktion mit einem Anteil von 7,5 Prozent österreichweit das Schlusslicht. Angesprochen auf Tipps für die Wirtschaftspolitik meinte Pesendorfer, wichtig seien Bildungsmöglichkeiten im Universitätsbereich, drum herum könnten sich dann verstärkt Unternehmen ansiedeln.

Link: