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„Pakistan ist auch eine Nuklearmacht“

Der pakistanische Verteidigungsminister ist offenbar auf die Meldung einer Fake-News-Seite hereingefallen und hat Israel mit dem nuklearen Arsenal seines Landes gedroht. Das berichteten mehrere internationale Medien am Wochenende.

Die Website AWD News hatte am 20. Dezember die Meldung verbreitet, dass der „israelische Verteidigungsminister Moshe Yaalon“ gedroht hätte, Pakistan mit Nuklearwaffen zu zerstören, falls das Land Bodentruppen nach Syrien schicken würde.

Drohung per Twitter

Die Meldung enthielt nicht nur zahlreiche Rechtschreibfehler, sie war offenbar frei erfunden. Auch ein gefälschtes Zitat des pakistanischen Außenministers habe sich im Artikel befunden, berichtete der britische „Independent“. Trotzdem drohte der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif Israel per Kurzbotschaftendienst Twitter: „Pakistan ist auch eine Nuklearmacht.“

Tatsächlich gehört das Land offiziell zu den weltweit neun Atommächten. Schätzungen zufolge verfügt Pakistan über etwa 130 Atomsprengköpfe. Israel wiederum hat den Besitz von Nuklearwaffen nie offiziell zugeben, ihn aber auch nicht dementiert. Sowohl Pakistan als auch Israel haben sich bisher weitgehend aus dem Konflikt in Syrien herausgehalten.

Israel: Bericht vollkommen fiktiv

Das israelische Verteidigungsministerium sah sich nach Asifs Tweet genötigt, die angeblichen Aussagen des früheren Ministers ebenfalls auf Twitter zu dementieren. Der Bericht sei vollkommen fiktiv, hieß es. Yaalon hätte die ihm zugeschriebenen Aussagen nie gemacht. Yaalon war zudem im Mai dieses Jahres zurückgetreten. Amtierender Verteidigungsminister ist Avigdor Lieberman.

Atomdrohung auch an Indien

Im September hatte Asif bereits eine ähnliche Drohung an Indien gerichtet. Pakistan würde seine nuklearen Kapazitäten einsetzen, um Indien „auszulöschen“, „sollte unsere Sicherheit gefährdet sein“, sagte Asif damals indischen Medienberichten zufolge.

Dass die Website AWD News nicht unbedingt eine seriöse Quelle ist, hätte Asif bei der Lektüre durchaus auffallen können. Neben Berichten über tatsächliche Ereignisse finden sich auf der Website auch Meldungen, wonach Hillary Clinton den designierten US-Präsidenten Donald Trump mithilfe des US-Militärs stürzen wolle. In einem anderen Artikel hieß es offenbar, Russlands Staatschef Wladimir Putin habe angekündigt, die Illuminaten „mit bloßen Händen“ bekämpfen zu wollen, so der „Independent“.

„Pizzagate“ sorgte für Aufregung

Der Fall weckt Erinnerungen an die „Pizzagate“-Affäre, die Anfang Dezember die US-Hauptstadt Washington in Aufruhr versetzte. Ein 28-Jähriger aus North Carolina war damals, angestachelt von einer Verschwörungstheorie, in eine Pizzeria eingedrungen, wo er die Angestellten bedrohte, ehe er von der Polizei festgenommen wurde.

Edgar Maddison Welch

AP/Sathi Soma

Der 28-Jährige bei seiner Festnahme in Washington

Dem Washingtoner Pizzarestaurant namens Comet Ping Pong wurden auf Fake-News-Seiten ominöse Nebengeschäfte angedichtet, die in den letzten Tagen des US-Wahlkampfes an die Öffentlichkeit gedrungen waren. Inhalt der kruden Verschwörungstheorie war die angebliche Beteiligung der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clintons und einiger ihrer Mitarbeiter an einem Kinderpornoring, der angeblich von Comet Ping Pong aus operieren soll.

Das Gerücht war infolge gehackter E-Mails der Demokraten entstanden, die via WikiLeaks veröffentlicht worden waren. Inhalt der Nachrichten: Der Restaurantbesitzer, ein überzeugter Demokrat, wollte ein Fundraising für die Demokraten veranstalten. In den E-Mails vorkommende Wörter wie „Cheese“, „Hot Dog“ und „Pizza“ wurden für Codes hinsichtlich sexueller Handlungen mit Kindern gedeutet. US-Medien sprachen hinsichtlich des Vorfalls vom „Pizzagate“.

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