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Arbeitszeit von über 60 Wochenstunden

Arbeitende Kinder aus armen Familien in Bangladesch haben eine Wochenarbeitszeit von durchschnittlich mehr als 60 Stunden. Das geht aus einem am Mittwoch in London veröffentlichten Bericht des britischen Denkfabrik Overseas Development Institute hervor.

Für den Bericht wurden 2.700 Haushalte in Slumvierteln in der Hauptstadt von Bangladesch befragt. Demnach arbeiten viele der Kinder in Textilfabriken, die auch Kleidung für internationale Markenhersteller produzieren. 15 Prozent der Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren besuchten keine Schule, sondern arbeiteten Vollzeit, so der Bericht.

Gefährliche Berufe

Der Durchschnitt liege bei 64 Wochenarbeitsstunden, weit über dem gesetzlich erlaubten Maximum von 42 Stunden. Mehr als ein Drittel der befragten Kinder beklagten extreme Erschöpfung. Viele von ihnen seien in gefährlichen Berufen, vor allem im Textilsektor, tätig.

Arbeitsminister Mujibul Haque sagte der dpa, im Textilsektor gebe es keine Kinderarbeit. In anderen gefährlichen Berufen sei das aber noch der Fall. Bangladesch wolle Kinderarbeit in diesen Sektoren bis 2021 beenden und bis 2030 vollständig abschaffen. Bangladesch ist der weltweit zweitgrößte Textilproduzent nach China.

„Kinder wollen zur Schule gehen“

Die Autoren der Studie empfehlen, das schulpflichtige Alter auf 14 Jahre anzuheben und gleichzeitig die Ausbildung bis zu diesem Alter kostenlos zu machen. „Die Kinder, mit denen wir gesprochen haben, wollten zur Schule gehen“, sagt Studienautorin Maria Quattri. „Aber die Armut bringt die Eltern dazu, Arbeit für ihre Kinder zu suchen. Selbst dann, wenn sie erkennen, dass es ihre Zukunftsaussichten gefährdet.“

Laut der nationalen Kinderarbeitsstatistik aus dem Jahr 2013 arbeiten in Bangladesch 3,5 Millionen der knapp 40 Millionen Kinder illegal. Etwa ein Fünftel der Kinder im Land geht nicht regulär zur Schule.

Arbeit in Haushalt und Landwirtschaft

Die meiste Kinderarbeit findet im eigenen Haushalt statt. Die Regierung schätzt, dass in drei der knapp 20 Millionen Haushalte im Land die eigenen Kinder zur Arbeit herangezogen werden. Professionelle Kinderarbeit findet vor allem in der Landwirtschaft statt, gefolgt von den produzierenden Industrien.

Die Regierung in Dhaka hatte sich 2010 zum Ziel gesetzt, dass es bis 2016 keine gesundheitsgefährdende Kinderarbeit mehr im Land gibt. Inzwischen wurde dieses Ziel auf 2021 verschoben. Bis 2030 soll es gar keine Kinderarbeit mehr geben.

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