Korruptionsprozess um Hongkongs Ex-Regierungschef

Im Korruptionsprozess gegen den früheren Hongkonger Regierungschef Donald Tsang hat der Angeklagte sämtliche Anschuldigungen zurückgewiesen. Der 72-Jährige erschien heute in Begleitung seiner Ehefrau über eine Stunde vor dem Beginn der Anhörung vor dem Hohen Gericht in Hongkong. Ihm werden Bestechung und Amtsvergehen zur Last gelegt. Er plädierte auf nicht schuldig.

Gefälligkeiten von Industriemagnaten angenommen?

Tsang war von 2005 bis 2012 Verwaltungschef der chinesischen Sonderverwaltungszone. Ihm wird vorgeworfen, in dieser Zeit Gefälligkeiten von Industriemagnaten angenommen zu haben. So soll er eine Luxuswohnung im südchinesischen Shenzhen von einem Investor angemietet haben, der sich in Hongkong um Rundfunklizenzen der Regierung bemühte. Zudem soll er verschwiegen haben, dass ein von ihm für eine staatliche Auszeichnung vorgeschlagener Architekt als Innenarchitekt in seiner Wohnung tätig war.

Frühere Hongkonger Regierungschef Donald Tsang und seine Ehefrau

APA/AFP/Isaac Lawrence

Die Anhörung von Tsang ist auf knapp drei Wochen angesetzt. Schon in der Vergangenheit hatte er erklärt, er sei zuversichtlich, freigesprochen zu werden. Im Jahr 2012 entschuldigte er sich aber dafür, unangemessene Luxusgeschenke befreundeter Unternehmer angenommen zu haben, darunter Einladungen zu Reisen auf Luxusjachten und in Privatjets.

Tsang ist der ranghöchste Vertreter Hongkongs, der sich bislang wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht verantworten musste. Der Prozess gegen ihn fällt in eine Zeit des Unmuts der Bürger in Hongkong. Erst vor wenigen Tagen hatten Tausende Demonstranten in der Metropole für mehr Demokratie und gegen eine zu große Abhängigkeit Hongkongs von China demonstriert.