D: Ermittlungen zu Germanwings-Absturz eingestellt

Die deutsche Staatsanwaltschaft wird keine Anklage wegen des Germanwings-Absturzes mit 150 Toten erheben. Es gebe keine Hinweise darauf, dass andere Menschen außer dem Kopiloten eine Schuld treffe, sagte gestern ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf. Der Hinterbliebenenanwalt Elmar Giemulla kritisierte die Entscheidung der Ermittlungsbehörde scharf.

Der Absturz des Germanwings-Airbus in den französischen Alpen im März 2015 war durch einen Suizid des Kopiloten verursacht worden, alle Passagiere und Besatzungsmitglieder starben dabei.

Im Raum stand die Möglichkeit, dass Ärzte, Kollegen oder Angehörige in den Monaten vor der Tat etwas von Suizidabsichten des Piloten mitbekommen haben könnten, der 2009 bereits einmal wegen Depressionen in Behandlung war. Den Ermittlern zufolge war das allerdings nicht der Fall. Das Todesermittlungsverfahren wurden deshalb eingestellt.

Hinterbliebenanwalt vermutet politische Gründe für Einstellung

Giemulla sagte dagegen dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ laut einer Vorabmeldung, wenn ein psychisch kranker Pilot in einem Cockpit sitze, „muss etwas falsch gelaufen sein, und das muss aufgeklärt werden“. Er halte es sogar für „nicht für völlig absurd, in Erwägung zu ziehen, dass das Verfahren aus politischen Gründen eingestellt wurde“.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatte es nach Abschluss der Behandlung 2009 bis zur letzten Flugtauglichkeitsuntersuchung 2014 zunächst keine Hinweise auf etwaige psychische Erkrankungen des Piloten gegeben. In den Monaten vor dem Absturz war er wegen psychischer Leiden bei Ärzten, es wurde aber keine Depression diagnostiziert.

Der Mann habe „weder gegenüber seinen behandelnden Ärzten noch gegenüber Personen aus seinem persönlichen Umfeld Suizidgedanken geäußert“, betonte der Sprecher. Es habe daher auch für niemanden Veranlassung dazu bestanden, Strafanzeige zu erstatten oder den Arbeitgeber oder die Aufsichtsbehörden zu informieren. Auch die Fluggesellschaft Germanwings hatte seinen Angaben nach keine Kenntnisse von psychischen Erkrankungen.