WM-Schmiergelder über Meinl Bank geflossen?

Ein Korruptionsskandal erschüttert derzeit Brasilien. In seinem Zentrum steht der international aktive Baukonzern Odebrecht, der unter anderem für die Fußball-WM vor zwei Jahren die Stadien etwa in Recife, Sao Paulo und Salvator errichtet hat. Schmiergelder sollen auch über die Meinl Bank Antigua gelaufen sein.

Der Konzern soll Milliarden an Schmiergeldern in Brasilien, Argentinien, Peru, Angola, Kolumbien, der Dominikanischen Republik, Ecuador, Guatemala, Mexiko, Mosambik, Venezuela und auf Panama an Politiker bezahlt haben, um an Bauaufträge zu kommen. Nach Recherchen der ZIB2 sollen Zahlungen auch über die Meinl Bank in Antigua gelaufen sein. Und an dieser war die Meinl Bank in Wien zumindest bis 2014 beteiligt.

1,6 Mrd. Dollar über Antigua geflossen

Am Bauriesen Odebrecht kommt – nicht nur in Brasilien – kaum ein Konkurrent vorbei. Nicht zuletzt wegen seiner gut gefüllten Schmiergeldkassen. So sieht es jedenfalls die Justiz in Brasilien, die seit 2014 ermittelt. 1,6 Milliarden Dollar davon sollen über die Meinl Bank Antigua geflossen sein. Das geht aus Einvernahmeprotokollen hervor, die der ZIB2 vorliegen.

Die Meinl Bank Antigua war bis 2010 eine Tochter der Meinl Bank AG in Wien. 2011 haben sich die Eigentumsverhältnisse verschoben: Die Wiener Meinl Bank verkaufte 51 Prozent ihrer Anteile an dem Institut in Antigua an eine Offshore-Gesellschaft namens Kingsley Holding, hinter der vier Brasilianer standen, mutmaßlich Mittelsmänner zu Odebrecht. 49 Prozent blieben bei der Mutterbank.

Anteile erste 2014 abgestoßen

2013 hielt die Meinl Bank Wien laut ihrem Geschäftsbericht noch 41 Prozent an dem Institut in Antigua, 2014 stieß sie - laut Auskunft der Pressesprecherin der Wiener Meinl Bank, Andrea Hauke, die restlichen Anteile ab.

Die Bestechungsgelder sollen nach dem Einstieg der Brasilianer in die Meinl Bank Antigua zu fließen begonnen haben. Davon will man in Wien allerdings nichts bemerkt haben. „Seit dem Verkauf des Mehrheitsanteils im Jahr 2010/2011 hat die Meinl Bank AG keinen operativen Einfluss mehr auf die Meinl Bank (Antigua) Limited", sagt Hauke.

Meinl-Manager in privater Mission

Dennoch hat die Meinl Bank Wien ab Mitte 2013 einen ihrer leitenden Angestellten ins Management nach Antigua geschickt, wie aus einer Presseaussendung des Instituts aus dem Jahr 2014 hervorgeht. „Der leitende Angestellte übte das Mandat als non-executive Mitglied des Board of Directors der Meinl Bank (Antigua) Limited persönlich und nicht für die Meinl Bank AG Wien aus und war dieser daher auch nicht berichtspflichtig", erklärt Hauke. Generell weist die Meinl Bank jegliche Verstrickung in den brasilianischen Skandal zurück.

19 Jahre Haft für Odebrecht-Enkel

In Brasilien sind jedenfalls schon erste Verhaftungen und Prozesse über die Bühne gegangen. Im März 2016 wurde Marcello Odebrecht, Enkel des Konzerngründers, zu 19 Jahren Haft verurteilt. Kurz vor Weihnachten verdonnerte ein New Yorker Gericht den Konzern zu einer Strafzahlung in der Rekordhöhe von 3,5 Milliarden Dollar - die höchste jemals verhängte Strafsumme in einem internationalen Korruptionsskandal.