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Sechs Mio. Eier „notimportiert“

Wenn Südkorea am Wochenende das Neujahrsfest feiert, dann biegen sich die Tische unter allerlei traditionellen Köstlichkeiten. Beliebt ist vor allen Jeon, ein Omelett, das mit Gemüse oder Fleisch verfeinert wird. Die Hauptzutat ist jedoch Mangelware: Denn Südkorea leidet unter einem gravierenden Eiermangel.

Grund für die Eiermisere ist der schlimmste Ausbruch der Vogelgrippe, den das Land bisher gesehen hat. Insgesamt 32 Millionen Hühner mussten in den letzten Monaten gekeult werden, das ist ein Fünftel des gesamten Geflügelbestands. Die meisten davon waren Legehennen. Die Regierung geht davon aus, dass die Eierproduktion 2017 um fast 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr einbrechen könnte.

„Wir werden das erste halbe Jahr auf Eiimporte angewiesen sein“, erklärte Ji Seon U, Experte des staatlichen Landwirtschaftsinstituts KREI gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Das Volumen hänge aber davon ab, wie rasch sich die Produktion und Preise stabilisieren.

Preis um 70 Prozent gestiegen

Die Kosten für eine Lage Eier sind im Vorfeld der Feierlichkeiten regelrecht explodiert. In den Supermärkten verteuerten sich die typischen braunen Eier um bis zu 70 Prozent. Importe - vorwiegend aus den USA - sollen den Engpass überbrücken helfen. Doch diese haben eine weiße Schale und stoßen bei den Südkoreanern auf wenige Gegenliebe.

„Die amerikanischen Eier sind gut, aber ich bevorzuge koreanische Eier, denn das Neujahrsfest ist ein traditioneller koreanischer Feiertag. Auch wenn die heimischen Eier teurer sind, ich würde sie kaufen“, erklärte Park Hee Kil, eine Kundin in einem großen Supermarkt in Seoul, gegenüber der Reuters-Journalistin Jane Chung.

Kunden vor dem Eierregal im Supermarkt

APA/AP/Ahn Young-joon

Skeptisch betrachten die Kunden die angebotene Auswahl an Eiern

Dreißig US-Eier kosten im Diskonter 8.470 Won, umgerechnet 6,70 Euro. Heimische Eier kosten im Durchschnitt 9.285 (7,30 Euro). Noch im November kostete dieselbe Menge an Eiern 4,30 Euro, wie die koreanischen Behörden erklärten. Rund sechs Millionen Eier wurden vor den Feierlichkeiten als „Notimporte“ aus den USA eingeflogen, um den steigenden Preisen entgegenzuwirken.

Küken sollen Produktion wieder ankurbeln

Insgesamt geht die südkoreanische Regierung davon aus, 1.500 Tonnen - das entspricht 25 Millionen Eiern - rund um die Feiertage importieren zu müssen. Im vergangenen Jahr entsprach die Menge an Importeiern nicht einmal der Hälfte, wie Daten aus dem Handelsministerium zeigen. Vom 5. bis zum 22. Jänner sind insgesamt 444 Tonnen an Eiern und 217 Tonnen an Eiprodukten eingeführt worden. Zudem plant das Ministerium, 200.000 Küken und Legehennen aus bisher von der Vogelgrippe verschonten Ländern wie den USA, Australien und Spanien aufzukaufen.

Männer in Sicherheitsnazügen entsorgen Tierkadaver

APA/AP/Yonhap/Yun Tae-hyun

Tonnenweise wurde in den letzten Wochen Geflügel entsorgt

Doch der Aufbau einer neuen Geflügelproduktion geht nur langsam voran. „Wir können nicht sofort starten, denn die Bauernhöfe müssen mindestens drei Monate lang virusfrei sein“, erklärte KREI-Experte Ji. Zudem braucht es weitere sechs Monate, bis eine Henne zu legen beginnt. Die neuen Legehennen werden also frühestens in der zweiten Jahreshälfte den heimischen Eierbedarf wieder decken können. So lange bleiben die meisten Eier in den Supermärkten weiß.

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