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Kontinentübergreifende Seuche

Die Vogelgrippe hat sich ausgehend von Wildvögeln auf zahlreiche Geflügelbetriebe fast überall auf der Welt ausgebreitet. Maßnahmen wie Stallpflicht konnten eine Ausbreitung bisher nicht verhindern. Zuletzt gab es in Deutschland wieder Alarm in einem Putenmastbetrieb.

Wegen hochgefährlicher Viren des Subtyps H5 wurden am Montag 3.400 Puten bei einer Firma im deutschen Schleswig-Holstein getötet, teilte das Agrarministerium in Kiel mit. Am Tag zuvor mussten in einem Geflügelmastbetrieb in Brandenburg 45.000 Puten getötet werden. Seit Anfang November häufen sich in Deutschland und anderen europäischen Ländern die H5N8-Fälle.

Desinfektion eines Putenmastbetriebs in Deutschland

APA/dpa/Arnulf Stoffel

Behörden räumen einen Stall in Nordrhein-Westfalen

Kroatien erlässt Stallpflicht

Nach einem neuen Fall von Vogelgrippe in Kroatien müssen rund 1.500 Tiere gekeult werden. Am Wochenende wurde auf einer Geflügelfarm in der Gemeinde Velika Gorica nahe der Hauptstadt Zagreb der hochansteckende Virus bestätigt, berichteten kroatische Medien. Im ganzen Land gilt Stallpflicht für kommerzielle und private Geflügelhalter. Das betroffene Gebiet wurde in einem Radius von zehn Kilometern unter Quarantäne gestellt.

Keine Gefahr für Menschen

Vogelgrippeerreger treten in mehreren Varianten auf, die unterschiedlich ansteckend und gefährlich sind. Einige können auch Menschen infizieren und bei ihnen Erkrankungen auslösen. H5N8 gehört nach bisherigem Kenntnisstand - anders als etwa H5N1 - allerdings nicht dazu.

Frankreich lässt Enten töten

Aber auch andere Länder sind betroffen. So wurden in Frankreich Hunderttausende Enten getötet, um die Vogelgrippe im Südwesten des Landes einzudämmen. Nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP sollen mindestens 800.000 Enten vernichtet werden. Betroffen seien insbesondere Zuchtbetriebe der Departements Gers und Landes, welche aufgrund ihres feuchten Klimas eine Verbreitung der Seuche begünstigten.

Auch in Tschechien keulen die Behörden wegen der Vogelgrippe Geflügel. In einer Schutzzone um zwei betroffene kleinere Geflügelbetriebe im Südosten des Landes müssen rund 1.100 Hühner, Truthähne und Gänse getötet werden, wie die Veterinärbehörden mitteilten.

Immer wieder Fälle in Japan

Auch in Japan mussten erneut rund 80.000 Hühner gekeult werden. Auf einer Geflügelfarm in der Provinz Gifu waren 100 Hühner tot entdeckt worden. Bei vorläufigen Tests wurden sie positiv auf den Vogelgrippevirus H5 getestet. Der genaue Virustyp werde noch ermittelt, sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Tokio am Montag.

Seit November hat es auch auf Gehöften in den Provinzen Niigata, Aomori, Miyazaki sowie auf der nördlichsten japanischen Hauptinsel Hokkaido Fälle von Vogelgrippe gegeben. Hunderttausende Hühner wurden dort seither gekeult.

Keine Entspannung in Sicht

Laut dem deutschen Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems ist so bald keine Entspannung der Situation in Sicht. „Wir sehen momentan kein deutlich verändertes Risiko“, sagte die Sprecherin des Bundesforschungsinstituts, Elke Reinking, der dpa. Die Vogelgrippe mit dem hochgefährlichen Erreger H5N8 habe sich zu einer Panzootie - einer länder- und kontinentübergreifenden Seuche - unter Wildvögeln ausgeweitet. Im Unterschied zu dem Seuchenzug 2006 gebe es aber keine Anzeichen dafür, dass das aktuelle Virus H5N8 auf den Menschen überspringen könnte.

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