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„Tun unseren Job so gut, wie wir können“

US-Präsidialamtssprecher Sean Spicer hat am Montag seine umstrittenen Aussagen zur Zahl der Teilnehmer bei der Vereidigung von Donald Trump verteidigt. Seine Darstellung, es habe sich um das größte Publikum bei einer Amtseinführung überhaupt gehandelt, habe auch die per Fernseher und andere Medien zugeschaltete Zuschauer beinhaltet, sagte Spicer bei seinem ersten Pressebriefing.

„Es ist unsere Absicht, Sie niemals anzulügen“, sagte er Journalisten im Weißen Haus. „Ich glaube, wir können bei den Fakten manchmal unterschiedlicher Meinung sein.“ Er sei jedoch der Ansicht, dass man „zum amerikanischen Volk ehrlich sein“ müsse. Spicer weiter: „Wir tun alle unseren Job so gut, wie wir können.“ Zugleich verteidigte er Angriffe auf Medien, die er am vergangenen Samstag geführt hatte.

US-Präsidialamtssprecher Sean Spicer vor der Presse

APA/AFP/Saul Loeb

Die Journalisten wurden beim ersten Pressebriefing mit neuen Regeln konfrontiert

Neuer Erklärungsversuch

Er werde die Fakten vortragen, wie sie ihm bekannt seien. „Und wenn wir einen Fehler machen, werden wir unser Bestes tun, um ihn zu korrigieren“, so Spicer. Wenn in Medien unwahr berichtet werde, müsse die Regierung die Chance haben, dies zu berichtigen. Im Zuge seiner Ausführungen blieb er bei seiner Darstellung, Trumps Vereidigung habe die größte Zahl von Zuschauern aller Amtsantritte von US-Präsidenten angezogen.

Er erklärte das damit, dass Millionen von Menschen das Ereignis auf Internetkanälen wie YouTube verfolgt hätten. Diese Möglichkeiten standen bei früheren Präsidenten nicht oder nicht in der derzeitigen Ausbaustufe zur Verfügung. Zwei Tage zuvor hatte der Sprecher noch in einem vielkritisierten Auftritt an selber Stelle einem Teil der Medien eine „absichtlich falsche“ Berichterstattung über Trumps Amtsantritt vorgeworfen.

Zwei Fotos der National Mall in Washington zeigen die Besuchermassen um 12:01 Uhr am  20. Jänner 2017 und 20. Jänner 2009

Reuters/Lucas Jackson, Stelios Varias

20. Jänner 2017 versus 20. Jänner 2009, 12.00 Uhr: ein Bild vom Publikumsandrang bei Trumps Amtseinführung neben einer Aufnahme von den Zuschauern bei der Vereidigung seines Vorgängers Barack Obama

„Alternative Fakten“

Spicers Aussagen zur Teilnehmerzahl waren vehement kritisiert worden: Luftaufnahmen zeigen, dass sich am Freitag deutlich weniger Menschen auf dem Washington Mall versammelt hatten als bei der Amtseinführung von Barack Obama vor acht Jahren. Auf den Streit angesprochen sagte Trumps Beraterin Kellyanne Conway am Sonntag, es seien „alternative Fakten“ präsentiert worden. Trump hatte bereits im Wahlkampf ein gespanntes Verhältnis zu den Medien.

Neue Regeln für Journalisten

Die Journalisten wurden bei dem ersten Pressebriefing zudem mit neuen Regeln konfrontiert. Traditionell gehen die ersten Fragen an die Nachrichtenagentur AP und die großen TV-Stationen. Spicer jedoch ließ dem Boulevardmedium „New York Post“ und dem religiöse Christian Broadcasting Network den Vortritt. Danach folgten ein spanischsprachiger Sender sowie der konservative Sender Fox News.

Künftig sollen laut Spicer „noch mehr unterschiedliche Medien“ Zugang zum Weißen Haus erhalten - zumindest per Videokonferenz. Bereits diese Woche sollen Journalisten erstmals von außen zugeschaltet werden. So könnten auch Medien dabei sein, die „keine Ressourcen für einen Korrespondenten“ in Washington hätten.

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