Polizei befragt Israels Ministerpräsidenten Netanjahu erneut

Die israelische Polizei treibt die Ermittlungen gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wegen des Verdachts der Vorteilsnahme voran. Die Ermittler hätten ihn heute in seiner Residenz in Jerusalem zum dritten Mal befragt, berichtete das israelische Fernsehen.

Netanjahu sieht Umsturzversuch

Dabei sei es unter anderem um die Annahme wertvoller Geschenke von Geschäftsmännern gegangen. Ergebnisse der Befragung wurden zunächst nicht bekannt. Netanjahu hatte Medien und Politikern vorgeworfen, bezüglich der Ermittlungen Druck auch auf den Generalstaatsanwalt auszuüben, um letztlich die Regierung abzusetzen.

Das sei ein Versuch, „auf undemokratischem Weg“ „die Regierung zu stürzen“, schrieb er auf Facebook. Ähnlich hatte er sich am Mittwoch bei einer Befragung im israelischen Parlament geäußert, wie die Zeitung „Haaretz“ schrieb.

Zigarren und Champagner gegen Visum?

Netanjahu wird laut Medienberichten vorgeworfen, gemeinsam mit seiner Frau Sara von einem befreundeten israelischen Hollywood-Produzenten über Jahre Zigarren und Champagner im Wert von Hunderttausenden Schekel (ein Euro ist rund vier Schekel wert) angenommen zu haben. Netanjahu soll sich 2014 persönlich für eine Verlängerung des US-Visums des Produzenten eingesetzt haben.

Außerdem soll der Ministerpräsident versucht haben, sich in einem Deal mit einem Medienmogul eine positivere Berichterstattung in der regierungskritischen Zeitung „Jediot Achronot“ zu sichern. Netanjahu bestreitet alle Vorwürfe und beteuert seine Unschuld.