Weiteres Strafverfahren gegen Berlusconi

Italiens einstiger Ministerpräsident, der Unternehmer Silvio Berlusconi, muss sich wegen Zeugenbestechung vor Gericht verantworten. Wie italienische Medien gestern nach einer gerichtlichen Anhörung hinter verschlossenen Türen berichteten, wird dem 80-Jährigen vorgeworfen, mehrere Zeugen seiner ausschweifenden Sexpartys geschmiert zu haben, damit diese zu seinen Gunsten aussagen.

Der Richter setzte den Beginn des Prozesses auf den 5. April fest. Das Verfahren könnte aber auch mit demjenigen zusammengelegt werden, in dem Karima al-Mahroug alias Ruby Rubacuore (Ruby Herzensbrecherin) und 21 Mitangeklagte ab Anfang Juli vor Gericht stehen. Berlusconi ließ der Anklage zufolge den Partybesuchern in seiner Residenz in Arcore bei Mailand zwischen 2011 und 2015 mehr als zehn Millionen Euro in bar oder Sachwerten zukommen, davon allein sieben Millionen laut Staatsanwaltschaft an Ruby.

Neuer Aspekt von bekannter Causa

Berlusconi war im Juni 2014 in erster Instanz wegen Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft und einem lebenslangen Ämterverbot verurteilt worden. Einen Monat später wurde der Medienmogul dann aber wieder freigesprochen. Seinerzeit hieß es zur Begründung, zwar habe Berlusconi Sex mit der damals 17-jährigen Ruby gehabt, er habe jedoch nicht gewusst, dass sie zum fraglichen Zeitpunkt minderjährig gewesen sei.

Im März 2015 hatte das höchste Berufungsgericht Berlusconi endgültig freigesprochen. Das jetzige Verfahren gegen die 22 Angeklagten war am 11. Jänner eröffnet, wegen Verfahrensfragen aber auf den 3. Juli vertagt worden. Berlusconis Fall war nach dessen Herzoperation im Juni 2016 aus Gesundheitsgründen abgekoppelt worden. Der rechtskonservative Berlusconi war zwischen 1994 und 2011 dreimal Ministerpräsident Italiens.