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Mehrere Verdächtige in Haft

Mutmaßliche Terroristen haben am Sonntag (Ortszeit) während des Abendgebets eine Moschee in der kanadischen Ostküstenmetropole Quebec gestürmt und mehrere Menschen erschossen. Die örtliche Polizei bestätigte, dass es eine Schießerei gab. Dabei seien sechs Menschen getötet und acht weitere verletzt worden.

Zwei Verdächtige wurden verhaftet. Wie Radio Canada am Montag unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtete, soll einer von ihnen marokkanischer Herkunft sein. Einer der Todesschützen sei vor der Moschee festgenommen worden, der andere sei zunächst mit dem Auto geflüchtet, habe dann aber selbst die Polizei gerufen und sich gestellt. In dem Fahrzeug wurde laut Bericht mindestens eine Waffe gefunden. Es habe eine Wohnungsdurchsuchung in dem Haus gegeben, in dem einer der Festgenommenen wohnte.

Laut der Zeitung „Le Soleil“ war einer der Festgenommenen mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr bewaffnet. Der Vorsitzende der Moschee sagte der dpa, er sei gebeten worden, fünf Leichen zu identifizieren. Der Premierminister der Provinz Quebec, Philippe Couillard, bezeichnete die Bluttat als Terrorakt.

„Alle Gebäude evakuiert“

„Die Lage ist unter Kontrolle“, sagte Polizeisprecher David Poitras am späten Abend, nachdem die Sicherheitskräfte mit einem Großaufgebot angerückt waren. „Die Umgebung wurde gesichert, und wir haben alle Gebäude evakuiert.“

Krankenwagen und Fernsehteams beim Anschlagsort

Reuters/Mathieu Belanger

Der Tatort wurde von der Polizei weiträumig gesperrt

Radio Canada zufolge hielten sich zum Tatzeitpunkt gegen 20.00 Uhr (Ortszeit) Dutzende Menschen in der Moschee im Viertel Sainte-Foy auf. Ein Augenzeuge sagte dem Sender, zwei maskierte Männer hätten das Gebäude gestürmt und das Feuer auf die Betenden eröffnet, während sie „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) gerufen hätten. Auch mehrere Kinder hätten den Angriff miterlebt.

Islamfeindliche Gruppen gehen auf Distanz

Nationalistische und islamfeindliche Organisationen aus Kandada distanzierten sich am Montag von der Tat. „Gewalt ist für uns keine Lösung“, erklärte die Gruppierung Federation des Quebecois de souche (FQS) in der Nacht auf Montag. Die Organisation Atalante Quebec schloss sich der Erklärung an.

Beide Gruppen verurteilten den Anschlag und erklärten, nur „tief gestörte Personen“ könnten eine solche Tat begehen. Die Vereinigung FQS, die sich selbst als nationalistisch einstuft, warnt vor einer „Islamisierung“ und fordert einen vollständigen Einwanderungstopp. Atalanta Quebec setzt sich für eine „identitäre Wiedergeburt Quebecs“ ein. Auch die islamfeindliche Vereinigung La Meute verurteilte am Montag „jegliche Gewaltanwendung“.

Schon mehrfach Ziel von Anfeindungen

„Es ist entsetzlich“, sagte der Moscheevorsitzende Mohammed Yangui. „Diese Menschen kommen jeden Tag friedlich zum Beten, aber jetzt werden einige von ihnen nie wieder vom Gebet nach Hause zurückkehren. Ich bin schockiert, mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, was ich fühle.“ Yangui wies darauf hin, dass seine Moschee in der Vergangenheit schon mehrfach Ziel von Angriffen gewesen sei. Im Juni wurde etwa ein abgetrennter Schweinekopf im Eingangsbereich der Moschee abgelegt.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau sprach von einem „feigen Angriff“ auf die Moschee und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Provinzregierungschef Couillard rief nach der Bluttat zum geschlossenen Einsatz gegen jegliche Gewalt und zur Solidarität mit Muslimen auf.

Karte von Quebec

Omniscale/OSM/ORF.at

Seltener als in USA

Amokläufe und bewaffnete Angriffe mit mehreren Toten sind in Kanada selten. Dort gelten strengere Waffengesetze als in den USA. Die Nachricht von dem Anschlag erschütterte die muslimische Community in Kanada. „Das ist ein trauriger Tage für alle Bewohner von Quebec und alle Kanadier“, so Mohamed Yacoub von einem Islamischen Gemeindezentrum in Montreal. „Ich hoffe, dass das ein Einzelfall bleibt.“

In den USA, in denen derzeit das am Freitag ohne vorherige Ankündigung verhängte Enreiseverbot aus sieben islamischen Ländern für Aufregung, Unsicherheit und Verwirrung sorgt, ordnete New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio stärkere Sicherheitsmaßnahmen für Moscheen an. Außerdem appellierte er an alle New Yorker, aufmerksam zu sein und jede Auffälligkeit den Behörden zu melden.

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