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Angeblich ohne ausreichende Vorbereitung

Nach dem ersten Militärangriff unter der Ägide von US-Präsident Donald Trump sind schwere Vorwürfe aufgekommen. Das US-Militär tötete nach eigenen Angaben im Jemen 14 Extremisten. An Ort und Stelle zeichneten Mediziner ein anderes Bild: Auch etliche Frauen und Kinder seien ums Leben gekommen. US-Militärs sagen nun, Trump habe die Operation ohne ausreichende Information oder Bodenunterstützung genehmigt.

Das US-Militär musste einräumen, dass es bei dem Angriff auf die radikalislamische Al-Kaida in der südlichen Provinz Baida am Sonntag auch zivile Opfer gegeben hat. Darunter seien möglicherweise auch Kinder, hieß es in einer Erklärung am Mittwoch. Bei dem Einsatz kam auch ein Soldat der US-Eliteeinheit Navy SEALs ums Leben. Präsident Trump nahm am Mittwoch überraschend an einer Trauerfeier für den Soldaten teil.

Frauen sollen bewaffnet gewesen sein

Nun untersucht das Militär die Vorfälle bei dem Angriff auf das Al-Kaida-Camp. Immer mehr Fragen tun sich rund um die missglückte Operation auf. Zunächst, so berichtete der britische „Guardian“, bestritt das United States Central Command (CentCom), das für den Nahen Osten zuständig ist, dass es überhaupt zivile Opfer gegeben habe. Später habe man eingeräumt, dass Frauen und Kinder gestorben seien, einige der getöteten Frauen seien bewaffnet gewesen, hieß es.

Die Mission war von Trump und seinem innersten Kreis den Berichten nach bei einem Abendessen fünf Tage nach Amtsantritt beschlossen worden. Mit dabei seien Trumps Schwiegersohn Jared Kushner gewesen sowie US-Verteidigungsminister Jim Mattis und Berater Stephen Bannon.

Scharfschützen und Landminen

Laut der Nachrichtenagentur Reuters sind einige US-Militärs nun der Ansicht, Trump habe den Einsatz „ohne ausreichende Information, Bodenunterstützung und angemessene Sicherheitsvorkehrungen“ genehmigt. Der Einsatz war bereits unter Trumps Vorgänger im Weißen Haus, Barack Obama, Thema. Die Mission wurde vorbereitet, doch nie endgültig genehmigt.

Marine-Helikopter mit Us-Präsident Donald Trump an Bord landet in Dover

AP/Pablo Martinez Monsivais

Trump kam mit dem Marine-One-Helikopter zur Trauerfeier für den getöteten US-Elitesoldaten

Sowohl die „New York Times“ als auch Reuters sprachen mit Angehörigen des US-Militärs, die meinten, bei der Operation sei alles schiefgegangen. Die Spezialkräfte hätten zu wenig Informationen durch die Geheimdienste gehabt und hätten sich vor einem Al-Kaida-Lager wiedergefunden, das weit stärker gesichert gewesen sei als angenommen, etwa durch Scharfschützen und Landminen. Der laut offizieller Stellungnahme „wilde Feuerkampf“ habe 50 Minuten gedauert. Ein US-Jet sei zur Hilfe angefordert worden und habe schließlich zurückgelassen werden müssen.

Für CentCom war der Einsatz trotz allem ein Erfolg. Man habe Material von Al-Kaida beschlagnahmen und Informationen sammeln können. „Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel hat eine erschreckende Geschichte an Vorfällen, bei denen Frauen und Kinder in Milizengebieten und Terrorcamps versteckt wurden, und weist eine kaltschnäuzige Verachtung für unschuldiges Leben auf“, so John Thomas von der US Air Force. „Das macht Fälle wie diese so besonders tragisch.“

NGO: „Hat nur Al-Kaida genützt“

Laut einem Bericht der NGO International Crisis Group (ICG) hat der jüngste US-Einsatz Al-Kaida im Jemen nur genützt. „Die Operation ist ein gutes Beispiel dafür, wie man es nicht macht“, heißt es im am Donnerstag veröffentlichten Report. „Der Einsatz von US-Soldaten und die hohe Zahl an zivilen Opfern (...) züchten antiamerikanische Ressentiments quer durch das politische Spektrum des Jemen, was sich zum Vorteil für Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel entwickelt.“

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