Themenüberblick

Eine „wundervolle Kollektion“

Nachdem Donald Trump die Kaufhauskette Nordstrom wegen der Streichung der Modelinie seiner Tochter aus ihrem Sortiment attackiert hat, legt nun die umstrittene Präsidentenberaterin Kellyanne Conway nach. „Kauft Ivankas Sachen“, forderte sie die US-Bürger am Donnerstag im Sender Fox News auf.

„Ich hasse Shopping, aber selbst ich hole mir heute selber etwas“, sagte Conway. Sie bezeichnete den Appell als „gratis Werbung“, die sie für die „wundervolle Kollektion“ von Trumps Tochter mache. „Geht und kauft heute ein, alle. Ihr könnt es im Internet finden.“ Sie selbst besitze einige Teile der Modelinie - Video dazu in YouTube.

Trump: „Meine Tochter so unfair behandelt“

Mit diesem Aufruf könnte Conway die Ethikregeln der US-Regierung verletzt haben. „Es handelt sich um einen klaren Verstoß gegen das Verbot, das öffentliche Amt zum privaten Vorteil zu missbrauchen“, sagte Don W. Fox, der ehemalige Direktor der Aufsichtsbehörde Office of Government Ethics, der „Washington Post“.

In Sozialen Medien versuchten Trump-Unterstützer Conways Appell mit Hashtags wie „buyivankatrump“ zusätzlichen Auftrieb zu geben. Der US-Präsident hatte Nordstrom, das mit mehreren hundert Geschäften in den USA und Kanada vertreten ist, am Vortag angegriffen, weil sich die Kette entschieden hatte, Ivankas Artikel auszulisten. „Meine Tochter Ivanka wurde von Nordstrom so unfair behandelt“, klagte Trump bei Twitter. „Sie ist ein so wunderbarer Mensch - sie bringt mich immer dazu, die richtigen Dinge zu tun! Schrecklich!“

„Missbrauch des Amts zum privaten Vorteil“

Die Nachricht wurde von Trumps eigenem Twitter-Profil abgesetzt, dann jedoch auch vom offiziellen Account des US-Präsidenten @POTUS (President of the United States) weiterverbreitet. Dieses Konto steht Trump erst seit Amtsantritt zur Verfügung, es war unter Vorgänger Barack Obama entstanden und ist nicht für private Zwecke gedacht.

„Dies ist ein Missbrauch des öffentlichen Amts zum privaten Vorteil“, sagte Richard Painter, früherer Ethikbeauftragter in der Regierung von Präsident George W. Bush, dem „Wall Street Journal“. Es sei zudem ein Machtmissbrauch, denn die Nachricht sei eindeutig - Nordstrom werde so zur „Persona non grata“ der Trump-Regierung erklärt. Es habe noch nie zuvor einen US-Präsidenten gegeben, der seine Macht des Amtes so offensichtlich zum Vorteil seiner eigenen Familie ausnutze, kritisierte Jordan Libowitz von der Non-Profit-Organisation Citizens for Responsibility and Ethics in Washington.

Trump-Sprecher: „Politisch motiviert“

Trumps Sprecher Sean Spicer hatte den Präsidenten später vehement verteidigt: Trump habe jedes Recht, seiner Familie beizustehen. Bei der Entscheidung Nordstroms handle es sich ganz klar um eine direkte Attacke auf die Politik des Präsidenten. Sie falle just in eine Kampagne von Trump-Gegnern, die unter dem Motto #GrabYourWallet Konsumenten auffordern, keine Produkte mit Verbindung zu Trump oder seiner Familie zu kaufen.

Mode von Ivanka Trump

Reuters/Chris Helgren

US-Kaufhaus Nordstrom streicht Ivanka Trumps Modekollektion aus Sortiment

Spicer ignorierte damit Statements des Konzerns, der gesunkene Verkaufszahlen von „Ivanka Trump“-Produkten als Grund für seine Entscheidung nannte. Jedes Jahr würden etwa zehn Prozent des Sortiments abhängig vom Absatz ausgetauscht. „In diesem Fall haben wir aufgrund des Umsatzes beschlossen, die Marke in dieser Saison nicht einzukaufen“, so Nordstrom. Die Kollektion von Ivanka Trump umfasst neben Kleidung auch Handtaschen, Schuhe und Schmuck.

Neben Nordstrom haben auch andere Firmen wie der Luxuswarenhändler Neiman Marcus und der US-Shoppingsender HSN die „Ivanka Trump“-Kollektion aus dem Angebot genommen. Ivanka Trump, die als enge Beraterin ihres Vaters gilt, war nach Trumps Wahlsieg wegen umstrittener PR-Aktionen für ihre Produkte kritisiert worden. Sie hatte angekündigt, sie würde von der Spitze ihres Unternehmens abtreten, sobald Donald Trump als Staatsoberhaupt vereidigt sei.

Die Erfinderin „alternativer Fakten“

Trump-Beraterin Conway hatte bereits im Jänner für Schlagzeilen gesorgt, als sie im Streit über die Anzahl der Teilnehmer bei Trumps Vereidigung Spicer verteidigte. Dieser hatte gesagt, es sei das größte Publikum bei einer Amtseinführung überhaupt gewesen, obwohl Luftaufnahmen zeigten, dass sich deutlich weniger Menschen in Washington versammelt hatten als bei der Amtseinführung von Barack Obama vor acht Jahren. Conway hatte daraufhin gesagt, Spicer habe nicht gelogen, er habe „alternative Fakten“ präsentiert.

US-Präsident Donald Trump mit Beraterin Kellyanne Conway

AP/Pablo Martinez Monsivais

Trump mit seiner „medialen Allzweckwaffe“ Conway

Als haltlos hatte sich zuletzt Conways Vorwurf über ein angebliches Massaker in der Stadt Bowling Green im Bundesstaat Kentucky und ein daraufhin von Ex-Präsident Barack Obama verhängtes Einreiseverbot erwiesen. Conway wollte damit Trumps Einreisestopp für Bürger aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern verteidigen, tatsächlich hatte es das Bowling-Green-Massaker aber nie gegeben. In den Sozialen Netzwerken war daraufhin eine Welle der Kritik losgebrochen. Conway nahm ihre Äußerung zurück.

Links: