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„Schweden, wer hätte das gedacht?“

US-Präsident Donald Trump hat seine Anhänger am Samstag auf seine restriktive Einwanderungspolitik eingeschworen - es war der Auftakt des Wahlkampfs für 2020. Auch lieferte Trump Gründe, die seinen Standpunkt untermauern sollten, etwa einen Vorfall in Schweden, der sich „letzte Nacht“ ereignet hätte. In Schweden wunderte man sich, es gab keinerlei Hinweise auf einen Anschlag oder einen Vorfall im Zusammenhang mit Einwanderern. Das Netz reagierte mit Spott und Häme.

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Trump wollte in Florida seine restriktive Einwanderungspolitik rechtfertigen und stellte im Zuge dessen einen Zusammenhang zwischen der Einwanderung und Terroranschlägen her. Dann sagte er: „Seht, was in Deutschland passiert, seht, was letzte Nacht in Schweden passiert ist. Schweden, wer hätte das gedacht? Schweden - sie haben ganz viele reingelassen, nun haben sie Probleme, wie sie es nie für möglich gehalten hätten“, polterte Trump.

Zahlreiche Reaktionen im Netz

Trumps Fehlinformation zog im Internet zahlreiche Reaktionen nach sich, die im Kurzbotschaftendienst Twitter unter den Hashtags „#lastnightinSweden“ und „#SwedenIncident“ beschlagwortet wurden. Die Verwunderung über die offenkundige Erfindung wollten auch über die Grenzen bekannte Ex-Politiker nicht für sich behalten: So fragte etwa der frühere schwedische Ministerpräsident Carl Bildt recht direkt: „Schweden? Terrorattacke? Was hat er geraucht?“

Der schwedische EU-Abgeordnete Gunnar Hokmark teilte folgende Botschaft: „#lastnightinSweden hat mein Sohn seinen Hotdog ins Lagerfeuer fallen lassen. Das ist so traurig!“ Hokmark selbst fügte die Frage hinzu, wie Trump das so schnell habe erfahren können. Und generell tauschte man sich auf Twitter munter darüber aus, was in Schweden sonst noch passierte („Ikea-Schrank falsch aufgebaut“, „Bier getrunken, eingeschlafen“).

„Das ist in Schweden passiert, Mr. President“

Die schwedische Boulevardzeitung „Aftonbladet“ setzte eine Nachricht in englischer Sprache auf ihre Onlineausgabe. Unter der Überschrift „Das ist am Freitagabend in Schweden passiert, Mr. President“ wurden Meldungen zitiert: etwa, dass der Sänger Owe Thörnquist technische Probleme bei Proben für den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest gehabt habe oder dass im Norden Schwedens eine Sturmwarnung ausgegeben worden sei.

„Wir sind hier, um die Wahrheit zu sprechen“

Noch zu Beginn seiner Rede, in der sich Trump auch wieder die aus seiner Sicht unehrlichen Medien vorknöpfte, hatte Trump versichert: „Wir sind hier, um die Wahrheit zu sprechen, die ganze Wahrheit, und nichts als die Wahrheit.“ Dabei waren erfundene Anschläge schon öfter Inhalt von Reden des US-Präsidenten. Auch gab es schon mehrfach Fehlinformationen aus dem Washingtoner Führungszirkel über angebliche Anschläge und Massaker.

Trumps Sprecher Sean Spicer redete innerhalb einer Woche dreimal über einen Anschlag in Atlanta, meinte aber einen Anschlag in Orlando. Trumps Beraterin Kellyanne Conway sprach von einem „Bowling-Green-Massaker“, das es gar nicht gab.

„Generelle Lage gemeint“

Aus dem Weißen Haus hieß es am Sonntag, dass Trump in seiner Rede nicht auf ein besonderes Ereignis in Schweden Bezug genommen, sondern vielmehr die generelle Lage und jüngste Vorfälle gemeint habe. Es habe Berichte über einen Anstieg der Kriminalität in Schweden gegeben, hieß es zudem, Trumps Aussagen hätten sich wohl auf einen Fox-News-Beitrag bezogen. Auch Trump selbst versuchte, seine Aussage zu erklären - mit dem Verweis auf einen Fernsehbeitrag.

Schweden fordert Erklärung

Das schwedische Außenministerium forderte von der US-Regierung eine Erklärung für die Äußerungen Trumps. Das US-Außenministerium sei um Klarstellung gebeten worden, sagte Ministeriumssprecherin Catarina Axelsson am Sonntag in Stockholm. Ähnlich äußerte sich Arbeitsministerin Ylva Johansson in einem Gespräch mit dem schwedischen Fernsehen. „Wir wollen wissen, was er meint“, sagte Johansson.

„Der US-Präsident spricht, und die ganze Welt hört zu“, sagte Johansson. „Er spricht über Schweden in einer Art, bei der wir nicht verstehen, was er meint und worauf er sich bezieht - im Zusammenhang mit Terrorakten in anderen Ländern“, kritisierte die Ministerin.

Andeutungen statt Fakten

Trump sprach nicht explizit von einer Terrorattacke in Schweden - der Kontext legte aber nahe, dass er selbst davon ausging. Umso mehr, als die Aussage „letzte Nacht“ sprachlich klar auf ein Einzelereignis hindeutet. Unmittelbar zuvor geißelte er Deutschland, das so viele Flüchtlinge aufgenommen habe, und unmittelbar nach der Schweden-Passage zählte Trump die Terroranschläge in Paris, Brüssel und Nizza auf und begründete damit, warum die Einreise von Reisenden und Asylwerbern eingeschränkt werden müsse.

Im ersten Monat von Trumps Amtszeit gab es schon mehrfach Fehlinformationen aus dem Washingtoner Führungszirkel über angebliche Anschläge und Massaker. Trumps Sprecher Sean Spicer redete innerhalb einer Woche dreimal über einen Anschlag in Atlanta, meinte aber einen Anschlag in Orlando. Trumps Beraterin Kellyanne Conway sprach von einem „Bowling-Green-Massaker“, das es nie gab.

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