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Preisverfall gestoppt

Erstmals seit fast vier Jahren verzeichnet die gesamte Euro-Zone laut dem „Wall Street Journal“ eine Inflation. Das ist angesichts der dramatischen Folgen der vor bald zehn Jahren ausgebrochenen Finanzkrise ein positives Zeichen für die Europäische Zentralbank (EZB).

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Noch im Mai des Vorjahres hatte sich die gesamte Euro-Zone mit minus 0,2 Prozent in einer Deflation befunden. Doch ein deutlicher Anstieg der Energiepreise führte seither zu einer ständigen Verteuerung, und immer mehr Länder verließen die Deflationszone. Die Inflationsrate nähert sich auch dem von der EZB gesteckten Ziel an.

Für die EZB-Strategen verliert damit ein Schreckgespenst an Kraft, das in den vergangenen Jahren immer wieder an die Wand gemalt worden war: ein dauerhafter Preisverfall und damit einhergehend eine wirtschaftliche Stagnation, ähnlich wie sie Japan jahrelang erlebte. Die zahlreichen und wiederholt verstärkten Bemühungen, die Konjunktur etwa durch Hunderte Milliarden Euro an Geldschwemme anzukurbeln, hatten bei Experten Ängste vor einer dauerhaften Stagnation ausgelöst.

Große Unterschiede bleiben

Zwar sind alle 19 Euro-Zone-Mitglieder in die Inflationszone zurückgekehrt - doch die gewaltigen wirtschaftlichen Diskrepanzen zwischen den einzelnen Ländern bleiben bestehen. Im Jänner verzeichnete Belgien mit 3,1 Prozent knapp vor Spanien mit 2,9 Prozent die höchste Rate. In Österreich betrug die Teuerungsrate zwei Prozent, in Deutschland 1,9 Prozent.

Zahlreiche deutsche Politiker und die Bundesbank fordern seit Langem ein Ende der EZB-Konjunkturmaßnahmen, und die jüngsten Daten dürften diese Rufe noch verstärken. Doch EZB-Chef Mario Draghi will diese Hilfsmaßnahmen aufrechterhalten, bis klar ist, dass die Inflationsrate im Zielbereich bleibt, auch wenn die Energiepreise einmal nicht mehr steigen.

Inflation auf Vormarsch

Die europäische Statistikbehörde Eurostat veröffentlichte am Mittwoch die Jänner-Daten. Die Verbraucherpreise zogen im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 1,8 Prozent an. Damit wurde eine frühere Schätzung bestätigt. Noch im Dezember war die Teuerungsrate bei lediglich 1,1 Prozent gelegen. Insbesondere der Ölpreisanstieg sorgte für die anziehende Inflation: Die Kosten für Energie legten im Jänner um 8,1 Prozent zu. Dienstleistungen verteuerten sich um 1,2 Prozent. Für Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak mussten die Verbraucher 1,8 Prozent mehr bezahlen als im Vorjahresmonat.

Noch etwas unter EZB-Wunschwert

Trotz des Anstiegs ist die Teuerung immer noch etwas niedriger, als der EZB lieb ist. Sie strebt knapp zwei Prozent als Idealwert für die Konjunkturentwicklung an. Seit fast zwei Jahren pumpen die EZB und die nationalen Notenbanken monatlich Milliarden in das Bankensystem, um die Wirtschaft anzuschieben und das unerwünscht niedrige Preisniveau anzuheben. Zudem liegen die Leitzinsen seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger warnte trotz erster Anzeichen für eine Rückkehr der Inflation vor einer übereilten Abkehr von der Nullzinspolitik. Entscheidend sei, dass die jüngsten Inflationsraten nicht nur ein kurzer Ausreißer nach oben gewesen seien. Ihr Kollege Yves Mersch ist allerdings dafür, den Zinsausblick bald zu ändern.

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