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„Eine starke Frau ist weitergereist“

Mit einer bewegenden Trauerfeier haben am Sonntag auf dem Wiener Zentralfriedhof Freunde, Bekannte und die Repräsentanten der Republik Abschied von der verstorbenen Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) genommen. Zuvor hatte bereits die Öffentlichkeit Gelegenheit dazu gehabt. Die Beisetzung fand am Montag statt.

Die offizielle Trauerfeier, unter anderem mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) und Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) als Rednerin und Redner, begann um 13.00 Uhr. Sie wurde aus Platzgründen per Videowall vor die Feuerhalle Simmering übertragen. Auch der Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Erich Foglar, und die Autorin Julya Rabinowich hielten Traueransprachen.

Trauerfeier für Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser

APA/Hans Punz

Regierungsspitze und Bundespräsident in der ersten Reihe

„Du, liebe Sabine“

„Wir bleiben zurück mit einem großen Verlust“, sagte die erste Rednerin. Eine starke Frau sei „weitergereist“, so die Autorin. „Wir vermissen sie, wir werden sie noch lange vermissen.“ Oberhauser habe ihre Krankheit öffentlich gemacht, um andere mit demselben Schicksal zu stärken. „Sie wollte arbeiten, sie wollte leben.“ Er sei tief betroffen, sagte Foglar. Man habe zur Kenntnis nehmen müssen, „dass du, liebe Sabine“, den Kampf gegen die Krankheit „verloren hast“. Er beschrieb die Verstorbene als liebenswert, engagiert, lebensfroh.

Trauerfeier für Sabine Oberhauser

APA/Herbert Neubauer

Aufbahrung für offizielle Trauerfeier

Ganz ähnlich Bures. Sie beschrieb die Verstorbene - sichtbar sehr tief bewegt - als humorvoll, als Kämpferin. „Ich lasse mir den Spaß am Leben einfach nicht verderben. Das waren deine Worte.“ Aber: „So sehr du auch gekämpft hast, diesmal ist es nicht gut geworden. Liebe Sabine, du wirst uns allen sehr fehlen.“ Oberhauser sei ein durch und durch politischer Mensch im positiven Sinn gewesen. „Liebe Sabine, danke für alles. Liebe Sabine, danke für deine Freundschaft.“ Darauf folgte, von einem Chor gesungen und mit Klavier begleitet, Hubert von Goiserns „Weit, weit weg“.

„Beinahe unerschöpfliche Lebensenergie“

Kern begann seine Rede mit Kondolenzwünschen an die Familie Oberhausers. Es möge ihr ein kleiner Trost sein, dass derart viele Menschen die Trauer teilten. Oberhauser habe die Gabe, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, in einem ganz großen Ausmaß besessen. Der Bundeskanzler würdigte die Verdienste der Verstorbenen als Ministerin, sie persönlich als „authentische“ Sozialdemokratin und als Kämpferin gegen die Gewalt an Frauen.

Sie habe eine beinahe unerschöpfliche Lebensenergie besessen, eine fröhliche Art, die fast ansteckend gewesen. Er erinnere sich noch an ein Telefonat, nach dem er sich gedacht habe: „Sie wird das wieder schaffen.“ Es sei „wunderbar und schön“ gewesen, „dich an unserer Seite zu haben“.

Ähnlich Van der Bellen gegenüber der Familie der Verstorbenen: Niemand könne dieser den Weg der Trauer abnehmen, aber man wolle ihr beiseitestehen. „Sabine Oberhauser war eine große Frau, eine starke Frau.“ Er sei überzeugt, so der Bundespräsident, dass sie in ihren Funktionen „alles gegeben hat“. Die Verstorbene sei selbst am Ende ihrer Krankheit stark gewesen. Ihr Kampf dagegen habe viele Österreicherinnen und Österreicher beeindruckt. Sie habe „nie eine Fassade aufgebaut“ und sei als warmherziger Mensch wahrgenommen worden. Unter den zahlreichen prominenten Gästen waren neben der Bundesregierung auch Ex-Präsident Heinz Fischer und der ehemalige Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ).

Abschied von Sabine Oberhauser

Die Republik hat Abschied von Sabine Oberhauser genommen. Für die an Krebs gestorbene Gesundheits- und Frauenministerin (SPÖ) hat es am Zentralfriedhof in Wien eine offizielle Trauerfeier gegeben.

Dutzende Seiten im öffentlichen Kondolenzbuch

Sowohl die gesamte Bundesregierung als auch die SPÖ hatten ihre Trauer um die am 23. Februar an Krebs verstorbene 53-Jährige in Inseraten in den Tageszeitungen bekundet. „Schön, dass wir Sabine Oberhauser kennen durften und mit ihr zusammenarbeiten konnten. Ihre wunderbar optimistische und frohe Art sowie ihr unermüdliches Engagement werden uns sehr fehlen“, heißt es in der von Bundeskanzler, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und allen elf Ministern sowie den beiden Staatssekretären unterzeichneten Traueranzeige der Regierung.

Trauerfeier für Sabine Oberhauser

APA/Herbert Neubauer

Kränze vor der Feuerhalle Simmering

Dass der Tod Oberhausers viele Menschen betroffen gemacht hat, zeigte sich auch an den vielen Einträgen im für sie eingerichteten Onlinekondolenzbuch. Viele gedachten, indem sie Wetterberichte posteten, so wie es Oberhauser gerne getan hatte. An Ort und Stelle hatten Bürgerinnen und Bürger sich Samstagvormittag von 9.00 bis 11.00 Uhr verabschieden können.

Gedenkminute und Fahnen auf halbmast

Im Nationalrat war bereits zuvor eine Trauerminute für Oberhauser abgehalten worden. Bures würdigte in einer kurzen Ansprache die „über alle Parteigrenzen hinweg geschätzte“ Ministerin, die ihren „tapferen Kampf gegen den Krebs“ verloren hatte.

Sie sei eine „leidenschaftliche Politikerin und liebenswerte Frau“ gewesen, sagte Bures über ihre Parteikollegin, die dem Nationalrat von Oktober 2006 bis zur Berufung ins Gesundheitsministerium im September 2014 praktisch durchgehend angehört hatte. Die Fahnen vor dem Parlament waren für zwei Tage auf halbmast gesetzt und ein Kondolenzbuch aufgelegt worden.

Offener Umgang mit Krankheit

Die 53-jährige Gewerkschafterin und ausgebildete Ärztin war am 23. Februar in einem Wiener Krankenhaus gestorben. Sie hatte ihre Diagnose Unterleibskrebs im Februar 2015 öffentlich gemacht und ging mit ihrer Krankheit sehr offen um. Sie behielt bis vor Kurzem auch ihre Funktion.

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