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Neue Ressortchefin mit Fachwissen

Ob EHEC, Vogelgrippe oder MERS: Über die Jahre hat Pamela Rendi-Wagner die Österreicher über viele Epidemien aufgeklärt und auch beruhigt. Die Wiener Tropenmedizinerin ist seit 2011 Sektionsleiterin im Gesundheitsministerium und Generaldirektorin für die öffentliche Gesundheit. Nun folgt sie der verstorbenen Ministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) in die Regierung nach.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) bestätigte die Personalie am Dienstag der Zeit im Bild. Rendi-Wagner erhält auch die Agenden des Frauenministeriums. Sie weise „eine beachtliche Berufskarriere“ vor und stehe mit beiden Beinen im Leben, so Kern.

Fixiert wird Rendi-Wagner am Mittwoch in Parteipräsidium und -vorstand der SPÖ. Die 46-Jährige, die vollständig Dr. Joy Pamela Rendi-Wagner heißt, wurde vor allem als Krisenmanagerin bekannt, etwa nachdem sie über die Folgen der Atomkatastrophe von Fukushima aufklärte.

Von Stöger ins Ministerium geholt

Der damalige Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) hatte Rendi-Wagner vor sechs Jahren als Leiterin der Sektion III für den öffentlichen Gesundheitsdienst und medizinische Angelegenheiten sowie als Generaldirektorin für die öffentliche Gesundheit in sein Ressort geholt.

Damals würdigte er sie als „ausgewiesene Fachfrau in den Bereichen Tropenmedizin, Infektiologie, Vakzinologie und Public Health“. Federführend war sie seither als Sektionschefin in der Erarbeitung der Rahmengesundheitsziele. Bei dem Projekt soll die Anzahl der gesunden Lebensjahre der Österreicher bis 2032 erhöht werden. Rendi-Wagner hatte die Leitung inne.

Zeckenschutzimpfung nun alle fünf Jahre

Auch als Wissenschaftlerin genießt Rendi-Wagner einen ausgezeichneten Ruf. Nach der Promotion an der Medizinischen Universität Wien 1996 machte sie ihre Facharztausbildung in London. Sie arbeitete über zehn Jahre wissenschaftlich am Institut für Tropenmedizin der MedUni Wien. Dort etablierte sie als Projektleiterin unter anderem ein Netzwerk zur flächendeckenden epidemiologischen Überwachung wichtiger Infektionskrankheiten - und lieferte mehrere Studien, die zur wissenschaftlichen Grundlage für impfpolitische Entscheidungen wurden.

Dass das empfohlene Intervall für die Zeckenschutzimpfung von drei auf fünf Jahre hinaufgesetzt wurde, ist eines der Ergebnisse von Rendi-Wagners Impfforschungen. 2008 habilitierte sie sich zum Thema Prävention durch Impfschutz.

Nach Tel Aviv und zurück

Danach verbrachte sie einige Jahre in Israel, wo sie als Gastprofessorin an der Universität Tel Aviv wirkte. Ihr Mann Michael Rendi, mit dem sie zwei Töchter hat, war österreichischer Botschafter in Israel. Nach der Berufung seiner Frau ins Gesundheitsministerium kehrte auch Michael Rendi nach Österreich zurück. Nun ist er als Kabinettschef von SPÖ-Kulturminister Thomas Drozda im Bundeskanzleramt tätig. Rendi-Wagner selbst ist Mitglied im Bund sozialdemokratischer Akademiker (BSA). Bei den SPÖ-Frauen ist sie allerdings im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin Oberhauser nicht verankert, ebenso wenig im ÖGB.

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