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Sicherheitslücken und Spionagetools

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hat mehr als 8.700 Dokumente veröffentlicht, die von dem US-Geheimdienst CIA stammen und neue Methoden der Cyberspionage enthüllen sollen. Das unter dem Titel „Vault 7“ publizierte Material gibt Einblick in die mutmaßlichen Werkzeuge der CIA.

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In den Dokumenten wird unter anderem beschrieben, wie die CIA ungeschlossene Sicherheitslücken („zero-day exploits“) bei Android-Smartphones, iPhones, Computern und Elektronikgeräten zu Spionagezwecken ausgenutzt haben soll. Laut dem Technikportal The Verge soll die CIA Informationen über die Sicherheitslücken von eigens darauf spezialisierten privaten Händlern oder anderen Geheimdiensten wie NSA oder GCHQ zugespielt bekommen haben.

Angeblich Fernseher gekapert

Unter dem Codenamen „Weeping Angel“ wird etwa beschrieben, wie die CIA über eine derartige Lücke ein Smart-TV-Gerät der Firma Samsung gekapert haben soll. Das Modell F-8000 soll demnach den Anschein erweckt haben, ausgeschaltet zu sein. Stattdessen habe der Fernseher nach dem Zugriff der CIA Gespräche aufgezeichnet und diese an einen CIA-Server gesendet.

Zudem wird in den Dokumenten unter dem Stichwort „NSA-Tools“ beschrieben, was für Viren, Trojaner und andere Malware der Geheimdienst nutzt. Die CIA kommentierte den Vorgang nicht. „Wir äußern uns nicht zur Authentizität oder dem Inhalt von angeblichen Geheimdienstdokumenten“, sagte ein Sprecher auf Anfrage der dpa. Die Datensammlung soll Dokumente aus den Jahren 2013 bis 2016 enthalten.

Aus Frankfurt operiert?

Laut der Pressemitteilung von WikiLeaks war Frankfurt ein Ausgangspunkt der Überwachungen. So hätten die Hacker vom dortigen Generalkonsulat aus ihre Angriffe in Europa, dem Nahen Osten und Afrika gesteuert. Die Mitarbeiter sollen Diplomatenpässe besitzen. Die am Dienstag veröffentlichte Tranche stamme aber aus dem CIA-Hauptquartier in Langley (US-Bundesstaat Virginia), in der Nähe von Washington.

Die Veröffentlichung gehe bezüglich ihrer Größenordnung weit über die von Enthüller Edward Snowden aufgedeckten Informationen des US-Abhördienstes NSA hinaus. Die CIA habe heimlich ihre Cyberaktivitäten ausgebaut und so eine neue NSA geschaffen, heißt es bei WikiLeaks. Mit dem Unterschied, dass diese neuen Aktivitäten noch weniger reguliert seien. WikiLeaks will die Informationen in mehreren Tranchen publik machen. Die erste wurde am Dienstag ins Netz gestellt.

Von anonymen Quellen

WikiLeaks habe seine Informationen von anonymen Quellen bezogen. Die Quelle wünsche, mit der Veröffentlichung eine öffentliche Diskussion über die Frage zu entfachen, ob die CIA ihre Kompetenzen überschreitet. Erstmals hat die Enthüllungsplattform Dokumente vor Veröffentlichung bearbeitet und etwa Namen von CIA-Mitarbeitern und andere Daten geschwärzt. Auch mehrere hundert Zeilen Programmcode wurden zurückgehalten.

In der Vergangenheit war WikiLeaks wiederholt in der Kritik gestanden, etwa weil die Organisation ungeschwärzt Daten über Vergewaltigungsopfer veröffentlicht hatte. Auch der im Exil in der ecuadorianischen Botschaft in London lebende WikiLeaks-Sprecher Julian Assange steht immer wieder im Mittelpunkt von Kontroversen, etwa bezüglich seines Verhältnisses zu US-Präsident Donald Trump, den Medien und Russland.

„Leute rasen vor Wut“

Welchen Schaden die Enthüllungen für die amerikanischen Abhörprogramme bedeuten, war zunächst unklar. Ein langjähriger externer Geheimdienstmitarbeiter sagte Reuters, bei der CIA mit Sitz in Virginia und beim Nachrichtendienst NSA in Maryland herrsche Empörung über die neuen Lecks. „Die Leute auf beiden Seiten des Flusses rasen vor Wut“, sagte er. Der Fall sei nicht mit den Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden vergleichbar: „Das wurde über eine lange Zeit gesammelt und an WikiLeaks übergeben.“

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