Ermittlungen gegen Fillon ausgeweitet

Die Ermittlungen gegen den konservativen französischen Präsidentschaftskandidaten Francois Fillon sind nach Angaben aus Justizkreisen ausgeweitet worden. Es gehe um den Verdacht des „schweren Betrugs und der Fälschung“, hieß es heute Abend in Paris.

Im Zusammenhang mit der Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Ehefrau und zwei seiner Kinder hatte die französische Justiz Mitte März ein Ermittlungsverfahren gegen Fillon unter anderem wegen mutmaßlicher Veruntreuung von Staatsgeldern eingeleitet.

Falsche Dokumente ausgestellt?

Die Zeitung „Le Monde“ berichtete, die Pariser Finanzstaatsanwaltschaft habe am 16. März den Ermittlungsrichtern zusätzliche Unterlagen übergeben. Die Justiz frage sich, ob die Eheleute möglicherweise falsche Dokumente ausstellten, um die Gehälter für Fillons Frau Penelope zu rechtfertigen. Als Abgeordneter bezahlte Fillon seine Frau jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin, für insgesamt rund 680.000 Euro abzüglich der Sozialbeiträge. Als Senator beschäftigte er außerdem zwei seiner Kinder.

Bericht: Fillon brachte Geschäftsmann mit Putin zusammen

Unterdessen berichtet das Enthüllungsblatt „Le Canard Enchaine“ in seiner neuen Ausgabe, dass Fillon über seine damalige Beratungsfirma einen Geschäftsmann mit Kreml-Chef Wladimir Putin zusammengebracht haben soll. Das Treffen habe beim St. Petersburger Wirtschaftsforum im Juni 2015 stattgefunden. Putin hatte im vergangenen Jahr Fillon als einen „anständigen Mann“ bezeichnet. Der Einfluss von Wirtschaftsinteressen auf die Politik ist ein wichtiges Thema im Präsidentenwahlkampf.

Fillons Firma habe mit dem Unternehmen des Geschäftsmanns zuvor einen Vertrag für die Anbahnung von internationalen Kontakten abgeschlossen, der mit 50.000 US-Dollar honoriert worden sei, so das Blatt. Die Umgebung Fillons wies laut Nachrichtenagentur AFP den Bericht zurück. Die Behauptungen über den Vertrag zwischen Fillons „2F Conseil“ und dem Unternehmen des Geschäftsmanns seien bar jeder Grundlage.

Fillon gründete laut AFP seine Beratungsfirma nach seinem Abschied als Premierminister im Juni 2012. Da er erst später sein Mandat als Abgeordneter von Paris aufgenommen habe, gebe es keine Regelverletzung.