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CEO Kalanick bleibt am Ruder

Uber schien einst nicht zu stoppen und scherte sich bei seiner rasanten globalen Expansion wenig um Regeln. Jetzt geriet das mit mehr als 60 Mrd. Dollar (55,55 Mrd. Euro) bewertete Start-up unter anderem durch Diskriminierungsvorwürfe in Turbulenzen und gelobt Besserung.

Der Fahrdienstvermittler will sein angeschlagenes Image eilig reparieren, hält dabei aber am streitbaren Gründer und Chef Travis Kalanick fest. Der Aufsichtsrat habe Vertrauen in Kalanick, sagte Gremiumsmitglied Arianna Huffington in einer Telefonkonferenz Mitte der Woche.

Schroffer Ton

Kalanick selbst nahm nicht an der Telefonkonferenz teil. Der Firmenchef hatte zuletzt für Negativschlagzeilen gesorgt, als in einem Video zu sehen war, wie er in schroffem Ton mit einem Uber-Fahrer streitet. Kalanick versprach danach, erwachsener zu agieren. Seitdem wird nach einer erfahrenen Nummer zwei für die Uber-Chefetage gesucht, die sich um das Tagesgeschäft kümmern könnte. Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg fragte Kalanick unter anderem Facebook-Chef Mark Zuckerberg und dessen Geschäftsführerin Sheryl Sandberg um Rat.

Nummer zwei wirft Job hin

Wenige Tage vor der Aufsichtsratssitzung hatte die Serie von Abgängen im Management die Führungsetage erreicht. Nach nicht einmal sieben Monaten im Amt warf mit Präsident Jeff Jones jener Konzernlenker seinen Job hin, der das mitunter raue Image der Firma glätten sollte. Er sei mit dem Ziel angetreten, Uber zu Reife und nachhaltigem Erfolg zu führen, sagte Jones der Nachrichtenagentur Reuters.

Seine Erfahrungen bei Uber stünden aber nicht im Einklang mit seinen Maßstäben für Führungsstil. Allerdings könnte auch ein Machtkampf eine Rolle gespielt haben, denn der als Nummer zwei hinter Kalanick gehandelte Jones drohte schon bald in seiner Verantwortung beschnitten zu werden.

Vorwürfe sexueller Belästigung

„Mir ist klargeworden, dass meine Ideale und Überzeugungen der Unternehmensführung nicht mit dem übereinstimmen, was ich bei Uber gesehen und erlebt habe“, erklärte Jones. Der Marketingfachmann war vom Einzelhändler Target zu Uber gekommen, um den nach einer Reihe von Skandalen angeschlagenen Ruf der kalifornischen Firma aufzupolieren.

So machte eine frühere Mitarbeiterin Schlagzeilen mit Vorwürfen, Uber toleriere in seiner Zentrale in San Francisco sexuelle Belästigung und die Diskriminierung von Frauen. Zudem gibt es Patentstreitigkeiten mit der Google-Mutter Alphabet, Zwist mit Fahrern über Honorarkürzungen und Streit über technische Tricksereien, mit denen Uber Auflagen örtlicher Behörden umgehen wollte.

Wichtige Leute springen ab

Mit Jones’ Abgang erreicht der jüngste Manager-Exodus die oberste Konzernspitze, nachdem erst unlängst zwei führende Manager mit Verantwortung für Firmenwachstum und Sicherheit ausgestiegen waren. Kurz zuvor hatte ein Mitarbeiter aus dem Ingenieursteam seinen Hut nehmen müssen, weil ihm noch von seinem früheren Job bei Google Vorwürfe der sexuellen Belästigung verfolgten. Fast zeitgleich mit Jones geht nun auch der für Navigationssysteme zuständige Manager Brian McClendon. Er gehe in die Politik, bleibe aber Berater bei Uber, so McClendon.

Aus für „brillante Arschlöcher“?

Investoren, die in Finanzierungsrunden zum Teil zu einer Gesamtbewertung von deutlich mehr als 60 Mrd. Dollar in Uber investiert haben, machen diese Turbulenzen genauso Sorgen wie die fortlaufenden Milliardenverluste bei der globalen Expansion. Auch das dürfte den Veränderungsdruck auf Uber und Kalanick verschärfen. Huffington betonte, eine Firmenkultur, die „brillante Arschlöcher“ („brilliant jerks“) toleriere, solle es nicht mehr geben.

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