Grüne orten „gravierende Baustellen“ in Frauenpolitik

Die Grünen sehen in der Frauenpolitik „gravierende Baustellen“ und ziehen anlässlich von 20 Jahren Frauenvolksbegehren eine ernüchternde Bilanz. Frauensprecherin Berivan Aslan forderte heute bei einer Pressekonferenz daher unter anderem eine neue Arbeitsbewertung, seien Frauen doch vor allem in schlecht bezahlten Branchen tätig.

An vorletzter Stelle im Europavergleich

Österreich liegt bei der Einkommensschere laut Eurostat an vorletzter Stelle im Europavergleich, und Aslan fürchtet sogar noch eine Verschlechterung. Fraueneinkommen seien systematisch unterbewertet, verweist sie etwa auf die Pflege, die Pädagogik, die Pharmazie und den Reinigungsbereich: „Überall dort, wo Frauen mehrheitlich in Branchen vertreten sind, sinkt der Status und das Einkommen eines Berufs“, kritisiert die Abgeordnete.

Sie forderte daher einen Gipfel der Sozialpartner zur Reform der Arbeitsbewertung in den Kollektivverträgen, eine gesetzliche Verpflichtung zur Beseitigung von Diskriminierung bei der Arbeitsbewertung in sämtlichen Kollektivverträgen und ein neues Zulagensystem. Auch brauche es die vollständige Anerkennung der Familien-, Pflege- und Hospizkarenzen bei den Dienstzeiten.

„Das System ist schuld“

Weiterhin seien Männer in Technik und Handwerk, Frauen hingegen im Dienstleistungssektor tätig. Anstatt aber Frauen zu erklären, dass sie das falsche gelernt oder studiert haben, soll die Arbeitsbewertung reformiert werden.

Initiativen wie der „Girl’s Day“, bei dem Mädchen zu technischen Berufen motiviert werden, seien zwar begrüßenswert, Frauen seien aber nicht schuld daran, dass ihre Jobs schlecht bezahlt sind. „Das System ist schuld“, so Aslan.

Zu den aktuellen innerparteilichen Vorgängen bei den Grünen wollte sich die Abgeordnete heute nicht äußern. Die frauenpolitischen Themen seien dringender, so Aslan.