Geheimakten: Adenauer ließ Brandt bespitzeln

Der langjährige deutsche CDU-Bundeskanzler Konrad Adenauer hat einem „Spiegel“-Bericht zufolge führende Sozialdemokraten wie den damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Willy Brandt bespitzeln lassen. Das berichtet das Magazin unter Berufung auf Geheimakten der deutschen Regierung und des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND).

Danach habe Adenauer dem damaligen BND-Präsidenten Reinhard Gehlen im September 1960 einen entsprechenden Arbeitsauftrag erteilt. Adenauer habe wissen wollen, ob Brandt für Hinrichtungen im Spanischen Bürgerkrieg verantwortlich gewesen sei und ob er für eine fremde Macht spioniert habe. Brandt war 1933 vor den Nationalsozialisten nach Norwegen geflohen und hatte für norwegische Zeitungen vom Bürgerkrieg in Spanien berichtet.

Dem Bericht zufolge schlug Brandt in den Sechzigerjahren eine emigrantenfeindliche Stimmung entgegen, die Adenauer mit Hilfe der BND-Informationen nutzen wollte. Unter führenden Christdemokraten sei es kein Geheimnis gewesen, dass Adenauer die SPD ausspioniert habe - obwohl er damit gegen Recht und Gesetz verstieß.