Guevaras Bruder: „Che“ hätte Personenkult gehasst

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Der jüngere Bruder der Revolutionsikone Ernesto „Che“ Guevara (1928 - 1967) findet den Personenkult und das Geschäft mit dem Andenken des argentinischen Revolutionärs an dessen Todesort in Bolivien „unangenehm“. Das sagte Juan Martin Guevara (73) in einem dpa-Interview in Madrid. „Er war natürlich ein Gegner jedes Persönlichkeitskults, ein Gegner der Kirche und ein Gegner von Heiligungen. Offensichtlich hätte ihm das nicht gefallen“, so der Linksaktivist und Schriftsteller über seinen älteren Bruder.

Wegen seiner politischen Gesinnung verbrachte der „Che“-Bruder selbst unter der Militärdiktatur in Argentinien mehrere Jahre im Gefängnis. In Madrid stellte der jüngere Guevara kürzlich sein neues Buch „Mi hermano el Che“ („Mein Bruder Che“) vor. „Er war wie Tag und Nacht zugleich“, erinnert sich Juan Martin Guevara. „Für mich ist Ernesto Guevara mein Blutsbruder und ‚Che‘ mein Bruder im Geiste.“

Mit seiner Familie habe der Revolutionär seine politische Rolle auch einmal vergessen können. „Wenn wir bei Ernesto sein konnten, waren wir glücklich. ... Heute denke ich, dass er in diesem Moment auch zufrieden war, wenn er fühlte, dass er mit seinem Bruder spielen konnte, ohne der ‚Comandante‘ sein zu müssen.“ „Che“ Guevara, ein Weggefährte des kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro, war am 9. Oktober 1967 im bolivianischen La Higuera von der Armee exekutiert worden.