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Teuer, aber kein Vergnügen

Ein neues Musikfestival, das erstmals auf den Bahamas stattfinden sollte, hat sich laut Berichten von Fans nicht als Luxusveranstaltung, sondern als völliges Desaster entpuppt. Viele der Gäste landeten auf der Insel und stecken nun teils dort fest, während die angekündigten Headliner des FyreFestivals in der letzten Minute ihre Teilnahme absagten.

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Am Freitagnachmittag (Ortszeit) sagten die Veranstalter das Festival schließlich komplett ab. Das FyreFestival, das unter anderem von dem US-Rapper Ja Rule organisiert wird und unter anderem Acts wie Blink-182, Skepta und Rae Stremmurd angekündigt hatte, war in den Sozialen Netzwerken von Instagram-Stars wie Kendall Jenner, Bella Hadid und Emily Ratrajkowski als Glamourparty beworben worden. Auf den Instagram-Accounts der Promis tauchten seit den Wintermonaten immer wieder Fotos von ihnen vor dem Inselhintergrund und mit dem Hashtag #FyreFestival auf.

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VIP-Upgrades für bis zu 250.000 Dollar

Der Preis für ein Ticket reichte laut der britischen Onlinezeitung Independent von 4.000 bis 12.000 Dollar (3.700 bis 11.000 Euro) - mit Upgrade-Möglichkeiten auf mehr als 250.000 Dollar, so das „Wall Street Journal“. So sollte es etwa auch Yachten zu mieten geben. Das Festival hätte zwei Wochenenden lang stattfinden sollen. Die Veranstalter bewarben es als „kulturellen Augenblick, geschaffen durch eine alchemistische Verbindung von Musik, Kunst und Essen“. Von Gourmetessen, „das lokale und internationale Köche zubereiten“, wie es auf der Website des Festivals hieß, war jedenfalls laut Fans weit und breit nichts zu sehen:

Müll und herumstreunende Hunde

Fans, die versuchten, zum Festivalort zu kommen, hatten zunächst mit Flugverspätungen zu kämpfen. Als sie doch dort ankamen - teilweise ohne Gepäck, das mit dem Flug nicht ankam, bot sich ihnen offenbar ein Bild, das nicht ganz mit den Versprechen der Veranstalter zusammenpasste: Strandhütten entpuppten sich als „Notzelte“, es gab kaum zu essen und zu trinken - und wenn, dann nur in schlechter Qualität - dazu kamen Berge von Müll und herumstreunende Hunde. Ein Video dokumentiert Teile des Geländes mit der Zeltstadt - vor allem aber mit viel Sand und Müll:

„Unerwartet“ entwickelt

Die Veranstalter konzedierten laut BBC, dass sich alles „zu Beginn vom ersten Tag des Fyre-Festivals unerwartet“ entwickelt habe. Sie kündigten all jenen, die sich bereits auf der Insel befanden, Hilfe an. Dabei dürfte es aber eher bei der Ankündigung geblieben sein. Einige Fans berichteten von Schwierigkeiten, einen Flug von der Insel zurück nach Hause zu bekommen.

„Wir arbeiten daran, unsere Gäste komfortabel unterzubringen und ihnen ein tolles Erlebnis zu bieten“, so die Veranstalter weiter. „Wenn Sie etwas brauchen, kommen Sie bitte zum ‚Blue House‘ beim Hauptteil des Festivalgeländes. Sicherheit, Rettungsleute und Mitarbeiter des Festivals stehen bereit, um ihnen sofort und rund um die Uhr zu helfen“, wurde versprochen. Die Posts von wütenden Festivalbesuchern ließen aber eher auf schwere Mängel in der Organisation schließen - so gab es zwar Schließkästen, aber keine Vorhängeschlösser. Die Info, dass man solche selbst mitbringen müsse, habe es aber nicht gegeben:

Probleme mit Ansage

Ganz unerwartet kamen die Probleme allerdings nicht. Das „Wall Street Journal“ etwa berichtete bereits Anfang des Monats von finanziellen Problemen der Veranstalter. Dem Bericht zufolge hatten diese bereits zu Monatsbeginn mehrere Fristen für Vorauszahlungen an gebuchte Künstlerinnen und Künstler versäumt. Die Zeitung berichtete zu dem Zeitpunkt aber auch, dass die Veranstalter teilweise die ausständigen Zahlungen nachgeholt hätten. Ein weiterer Hinweis: Wenige Tage vor dem geplanten Festivalstart war es für Gäste schwierig, Detailinfos vom Empfangsteam zu erhalten.

Mittlerweile wurde gegen die Veranstalter des als „kulturelle Erfahrung des Jahrzehnts“ angepriesenen Fyre-Festivals in den USA eine Klage in Höhe von 100 Millionen Dollar (91,7 Mio. Euro) eingereicht. „Der Mangel an angemessenem Essen, Wasser, Unterkunft und medizinischer Versorgung hat eine gefährliche und panische Situation geschaffen“, heißt es in der in Los Angeles eingereichten Klageschrift.

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