Macron fürchtet Weißwähler

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Mindestens zehn Millionen Französinnen und Franzosen werden heute Abend das TV-Duell zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen auf diversen TV-Kanälen und Livestreams verfolgen. Ob es mitentscheidend ist wie die Debatte Sarkozy - Hollande bei der letzten Wahl, die den sozialistischen Herausforderer überraschenderweise punkten ließ, ist offen.

Macron liegt in den Umfragen klar voran. Er hat aber ein Problem: Er und seine Bewegung En Marche erobern die Vernunft der Bessergebildeten, nicht aber die Herzen des ganzen Landes. Und gegen Macron macht aktuell etwa das Melenchon-Lager Stimmung: mit eigenen Umfragen, die von einer Mehrheit von Weiß- und Ungültigwählern im eigenen Lager wissen wollen - und vielen, die gar nicht zu den Urnen wollten.

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Kurz sieht Macron skeptisch

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) sieht Macron durchaus skeptisch. „Er steht auch für die Sozialunion, die ich ablehne“, sagte Kurz in einem Interview mit dem „Neuen Volksblatt" (Donnerstag-Ausgabe“). Er gehe davon aus, dass Macron die Wahl gewinnen wird, sagte Kurz. „Und ich halte es auch für sinnvoll, wenn Frankreich sich einsetzt, um die EU zum Positiven zu verändern und nicht, um sie zu zerschlagen.“

Doch stimme er „nicht in allen Sachfragen“ mit Macron überein. Als Beispiel nannte der Außenminister das Konzept der EU als „Sozialunion“: „Es kann nicht funktionieren, dass wir die Sozialsysteme in Europa schlagartig auf das gleiche Niveau bringen. Wie soll das funktionieren? Soll das bedeuten, dass wir in Österreich auf rumänische Niveaus absinken oder dass man in Rumänien dann doppelt so viele Sozialleistungen bekommt? Wenn ja, wer soll das bezahlen?“