Paris: Massenmobilsierung gegen Le Pen bleibt aus

Drei Tage vor der Stichwahl um das höchste Amt im Staat sollte ein großes „Republikanisches Konzert“ noch einmal die Massen auf die Straßen bringen. Gestern Abend folgten einige tausend dem Aufruf von 30 Organisationen, darunter SOS Racism, auf die Pariser Place de la Republique, um eine Botschaft gegen den Hass und Marine Le Pen zu zeigen.

Auch Pete Doherty im breiten Line-up

Die gewohnten Zehntausenden bis hunderttausend, die sonst auf der Pariser Place de la Republique bei Großveranstaltungen zu sehen sind, blieben trotz Line-up-Ankündigung von Stars wie Pete Doherty aus.

Die Polizei hielt sich mit einem teils schwer bewaffneten Großaufgebot im Hintergrund. Terrorangst, aber auch die Ausschreitungen rund um die „Ultra Gauche“-Gruppierung am 1. Mai, wirken im Moment wie eine Bremse für Großzusammenkünfte.

SOS Racism: „Man kann jetzt nicht neutral bleiben“

Mit der Veranstaltung will SOS Racism nach eigenen Angaben auch an all jene appellieren, die bei der kommenden Stichwahl ungültig wählen oder zu Hause bleiben wollen. „Es ist wichtig, sich jetzt zu mobilisieren“, sagte der Präsident von SOS Racisme in Frankreich, Dominique Sopo, der eine Müdigkeit in den Bürgerbewegungen konstatiert.

„Le Pen muss ein Ergebnis unter der 40-Prozent-Marke einfahren“, forderte er am Rand der Veranstaltung ein Signal eines „elektoralen Riegels gegen Le Pen“. Neutral könne man im Moment der Stichwahl nicht sein, so seine Forderung.

Umfragen sehen Macron vorn

Umfragen geben derzeit Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron einen deutlichen Vorsprung vor Le Pen. Eine heute veröffentlichte Befragung des Instituts Elabe für „BFM TV“ und „L’Express“ sieht Macron mit 62 Prozent vorn. Das sind drei Punkte mehr verglichen mit der vorangegangenen Erhebung. Le Pen kann demnach nur mit 38 Prozent rechnen. Auch aus dem Fernsehduell dürfte Macron als Sieger hervorgegangen sein. 63 Prozent der Zuschauer fanden einer Umfrage zufolge Macron überzeugender.

Macron klagt wegen „Bahamas-Konto“-Gerüchten

Doch auch er steht unter Druck: Macron wehrt sich nach dem TV-Duell rechtlich gegen Gerüchte über ein Konto in einem Steuerparadies. Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete nach einer Klage Vorermittlungen ein. Le Pen hatte beim TV-Duell im Internet kursierende Vorwürfe über ein Konto auf den Bahamas, Macron sprach von einer Verleumdung.