Wieder schwere Zusammenstöße in Venezuela

In Venezuela hat es bei Studentenprotesten gegen Staatschef Nicolas Maduro erneut heftige Zusammenstöße mit den Sicherheitskräften gegeben. Polizei und Nationalgarde gingen gestern mit Tränengas und Gummigeschoßen gegen Demonstranten vor, die an der Zentraluniversität in der Hauptstadt Caracas einen Protestmatsch gestartet hatten.

Im nördlichen Bundesstaat Anzoategui wurde ein Studentenführer bei einer Versammlung an seiner Universität aus nächster Nähe erschossen. Der Schütze habe mehrere Schüsse auf den jungen Mann abgegeben, teilten die Justizbehörden mit. Anschließend sei der Täter auf einem Motorrad geflüchtet.

Demonstranten in Venezuela

APA/AFP/Federico Parra

Die Lage in Venezuela ist derzeit äußerst angespannt. Regierungsgegner laufen Sturm gegen die Ankündigung des linksnationalistischen Staatschefs für eine neue Verfassung ohne Beteiligung des Parlaments. Sie machen Maduro zudem für die schwere Wirtschaftskrise in dem ölreichen südamerikanischen Land verantwortlich. Dutzende Menschen kamen bereits bei den Protesten ums Leben.

Auch der aus Venezuela stammende Dirigent Gustavo Dudamel meldete sich nun zu Wort, nachdem ein 18-jähriger Nachwuchsmusiker aus dem Jugendorchesterprogramm des Landes bei einer Demonstration gestorben war. Dudamel forderte den Präsidenten und dessen Regierung auf Facebook auf, „die Stimme des venezolanischen Volkes“ zu hören. „Die Zeiten dürfen nicht durch das Blut unserer Leute definiert werden.“

Weiter kein Lebenszeichen von Lopez

Auch das Fehlen jedes Lebenszeichens von Oppositionsführers Leopoldo Lopez heizt die Krise weiter an. Seit rund einem Monat gibt es keine Informationen zum Zustand des inhaftierten Politikers. Lopez’ Familie forderte von Maduro ein klares Lebenszeichen.

Nachdem es erst Gerüchte über einen dramatisch verschlechterten Gesundheitszustand Lopez’ und eine Einlieferung in ein Militärhospital gegeben hatte, hieß es später, er sei weiter im Gefängnis Ramo Verde bei Caracas. Seit Ausbruch der Proteste gegen Maduro wird Lopez’ Angehörigen der Zugang verwehrt. Ein Video mit einem vermeintlichen Lebenszeichen bezeichnete Lopez’ Ehefrau Lilian Tintori als Fälschung.