Mauthausen-Gedenken mit 7.000 Besuchern

Vor 72 Jahren haben US-Truppen das Konzentrationslager Mauthausen in Oberösterreich befreit. Am Sonntag wurden bei der Gedenkfeier zum Thema „Internationalität verbindet“ etwa 7.000 Teilnehmer gezählt. In ehemaligen Außenlagern wurde bereits gestern der NS-Opfer gedacht.

Mehr dazu in ooe.ORF.at

Polnische Kritik zurückgewiesen

Das Innenministerium hat unterdessen Kritik aus Polen, die österreichischen Behörden behinderten die Bemühungen um das Andenken an das ehemalige Konzentrationslager Gusen, scharf zurückgewiesen.

Man sei über die Aussagen der polnischen Vizekulturministerin Magdalena Gawin „einigermaßen verwundert“, zumal „seit Längerem“ Gespräche unter Einbeziehung Polens dazu liefen und die Kritik gerade zum Gedenktag erfolge, sagte Ministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck der APA heute auf Anfrage. Grundböck sprach von „einseitigen medialen Anwürfen wider besseres Wissen“. Der Zeitpunkt der Kritik widerspreche dem „Geist der Gemeinsamkeit im Gedenken“.

Polen: Mangel an gutem Willen

Gawin, die einer polnischen Delegation angehörte, die am Wochenende an den offiziellen Feierlichkeiten zum Gedenken an die Befreiung der NS-Konzentrationslager in Österreich teilnahm, hatte gestern laut polnischer Nachrichtenagentur PAP gesagt, die Erinnerungsarbeit werde von Österreich behindert und stoße auf einen „Mangel an gutem Willen seitens der österreichischen Behörden“.

Es sei bedauerlich, dass den Polen die Möglichkeit verwehrt werde, sich auf dem Standort des früheren Lagers zu versammeln. „Über 90 Prozent“ aller Lagerinsassen seien 1940 Polen gewesen, so Gawin. Nach polnischen Angaben wurden in Gusen zwischen 27.000 und 35.000 Polen ermordet.

Der Nationalrat hatte im Juli des Vorjahres die Umwandlung der Gedenkstätte Mauthausen in eine gemeinnützige Bundesanstalt beschlossen. Deren Aufgabe ist es, das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in den Konzentrationslagern Mauthausen und Gusen sowie deren Außenlagern zu bewahren, Zeugnisse der Geschichte zu sammeln, die damaligen Geschehnisse einer möglichst breiten Öffentlichkeit zu vermitteln, wissenschaftliche Forschung zu betreiben und Überlebende und Angehörige zu betreuen.

Grundböck: Situation „komplexer“

Auch Präventionsarbeit gegen nationalsozialistische Wiederbetätigung und die Zusammenarbeit mit anderen nationalen und internationalen Gedenkstätten gehören zum gesetzlichen Aufgabenkatalog.

Laut Grundböck wurde die Gedenkstätte Mauthausen seither organisatorisch und inhaltlich „völlig umgewandelt“. Was Gusen betrifft, sei die Situation jedoch „komplexer“: „Das weiß Polen auch.“ In die laufenden Gespräche seien neben Vertretern Polens auch das Bundesdenkmalamt und der Eigentümer eingebunden. Mutmaßungen, wonach polnische Nationalisten das Gedenken für ihre Anliegen instrumentalisieren könnten, wollte der Sprecher nicht kommentieren.