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16. Obmann scheidet aus

Reinhold Mitterlehner, der am Mittwoch seinen Rücktritt von allen politischen Funktionen bekanntgegeben hat, war der 16. Obmann der Volkspartei seit 1945. Er ist seit dem Rückzug von Langzeitparteichef Wolfgang Schüssel im Jahr 2007 bereits der vierte ÖVP-Chef, den die Partei innerhalb von zehn Jahren verbraucht hat.

Mitterlehner will am Sonntag die Obmannschaft offiziell zurücklegen. Keine drei Jahre lang hat er in der Zwickmühle von Koalitionstreue und Abgrenzungsbemühungen zur SPÖ durchgehalten, erschwert durch Profilierungsbestrebungen der eigenen Parteigänger und der Achse um Außenminister Sebastian Kurz. Seit 2008 war der Wirtschaftsbündler Mitterlehner Regierungsmitglied, schon lange vor der Amtsübernahme galt er als potenzieller Parteichefkandidat.

Auf Spindelegger gefolgt

Gefolgt war er auf Michael Spindelegger, der 2014 nach etwas mehr als drei Jahren im Amt das Handtuch geworfen hatte. Im Mai 2011 war Spindelegger die Nachfolge von Josef Pröll an der Spitze der ÖVP angetreten, nachdem sich dieser nach einer schweren Erkrankung von allen politischen Funktionen zurückgezogen hatte. Bei Spindeleggers Kür am Parteitag 2011 war Mitterlehner zum stellvertretenden Parteichef gewählt worden.

Grafik zu den ÖVP-Obmännern seit 1945

Grafik: APA/ORF.at; Fotos: APA; Quelle: APA

Die Volkspartei verliert nun seit dessen Abgang 2007 schon den vierten Parteichef: Schüssels Nachfolger Wilhelm Molterer war nach dem Wahldesaster der ÖVP bei der Nationalratswahl im Herbst 2008 abgetreten und hatte an Pröll übergeben. Im Dreijahrestakt kamen dann Spindelegger und Mitterlehner.

Schüssel als Rekordhalter

An der ÖVP-Spitze stand als Erster für einige Monate Leopold Kunschak, der später Nationalratspräsident wurde. Ihm folgten Leopold Figl (1945-1952), Julius Raab (1952-1960), Alfons Gorbach (1960-1963), Josef Klaus (1963-1970) und Hermann Withalm (1970/71). 1971 übernahm Karl Schleinzer die Parteiführung. Dieser verunglückte allerdings im Sommer 1975, die ÖVP bestellte Josef Taus, der schon 1971 im Gespräch war, zum neuen Obmann.

Nach verlorenen Wahlen in den Jahren 1975 und 1979 stellte sich Taus nicht mehr der Wiederkandidatur. Ihm folgte Alois Mock. Dieser wurde 1989 von Josef Riegler abgelöst, dessen Nachfolger war Erhard Busek. 1995 übernahm dann Rekordhalter Schüssel. Er war mit insgesamt zwölf Jahren von 1995 bis 2007 längstdienender Chef.

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