Onlinechefredakteur von „Cumhuriyet“ festgenommen

Nach den Terrorismusanklagen gegen zahlreiche Mitarbeiter der türkischen Zeitung "Cumhuriyet" im April ist nun der Onlinechefredakteur des Blattes festgenommen worden. Oguz Güven gab seine Festnahme heute Früh in Istanbul über seinen persönlichen Twitter-Account bekannt.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, Güven sei aufgrund einer „Cumhuriyet“-Nachricht über den Tod des türkischen Staatsanwaltes Mustafa Alper in Polizeigewahrsam genommen worden. Alper, der nach türkischen Medienangaben mehrere Gerichtsverfahren gegen Putschverdächtige angestrengt hatte, war am Mittwoch bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Vorerst waren keine weiteren Details zu Güvens Festnahme bekannt.

Chefredakteur im Exil

Die Staatsanwaltschaft fordert lange Haftstrafen für 19 „Cumhuriyet“-Mitarbeiter, von denen zwölf teilweise seit November in Untersuchungshaft sitzen. Ihnen wird unter anderem Unterstützung oder Mitgliedschaft in der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK), der linksextremistischen DHKP-C oder der Gülen-Bewegung vorgeworfen, die die türkische Regierung für den Putschversuch vom 15. Juli 2016 verantwortlich macht.

Dem im deutschen Exil lebenden ehemaligen „Cumhuriyet“-Chefredakteur Can Dündar drohen laut der Anklageschrift wegen Terrorunterstützung bis zu 15 Jahre Haft, ebenso dem aktuellen Chefredakteur der Zeitung, Murat Sabuncu, dem bekannten Investigativjournalisten Ahmet Sik und dem Kolumnisten Kadri Gürsel. Dem Herausgeber der „Cumhuriyet“, Akin Atalay, drohen bis zu 43 Jahre Haft.

Dutzende Festnahmen bei Razzien gegen Börsianer

Zuvor war bekanntgeworden, dass bei landesweiten Razzien gegen mutmaßliche Anhänger des Predigers Fethullah Gülen innerhalb der Istanbuler Börse 57 Verdächtige festgenommen wurden. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, bei dem Einsatz in mindestens sechs Provinzen des Landes werde nach weiteren 45 Verdächtigen gefahndet. Die Razzia dauerte an.

Über 100.000 Verhaftungen seit Juli

Seit dem Putschversuch in der Türkei im vergangenen Juli wurden wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung mehr als 113.000 Menschen festgenommen.