Renault-Werk in Frankreich nach Cyberattacke geschlossen

Der französische Autohersteller Renault hat weiter mit den Folgen der weltweiten Cyberattacke von Freitag zu kämpfen. In einem seiner größten Werke, der Fabrik in der nordfranzösischen Stadt Douai, stand die Produktion deswegen heute still. Informatiker seien mit „vorbeugenden Arbeiten“ beschäftigt, sagte ein Sprecher.

Sie sollten verhindern, dass sich der Computervirus von möglicherweise infizierten Rechnern aus weiter verbreite, sagte eine Sprecherin. 3.500 Mitarbeiter blieben zu Hause. Morgen Früh sollte das Werk wieder öffnen. Andere Werke, in denen Renault am Samstag die Produktion gestoppt hatte, sind bereits wieder angelaufen.

Vorsichtige Entwarnung von Europol

Die europäische Polizeibehörde Europol gab unterdessen heute vorsichtige Entwarnung. Eine weitere massenhafte Ausbreitung der Schadsoftware sei offenbar vermieden worden, sagte ein Europol-Sprecher in Den Haag. „Die Zahl der Opfer ist offenbar nicht weiter nach oben gegangen, bisher scheint die Lage in Europa stabil. Das ist ein Erfolg.“

Die weltweite Attacke hatte nach Angaben von Europol mindestens 150 Länder sowie 200.000 Organisationen und Personen getroffen. Weltweit wurden Rechner von einem Erpressungstrojaner befallen, der alle Daten verschlüsselt und Lösegeld für die Entschlüsselung verlangen.

Grafik zur Cyberattacke

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/BBC

Experten und Behörden waren davon ausgegangen, dass die Zahl der infizierten Computer steigt, weil heute zahlreiche Rechner erstmals nach dem Wochenende wieder hochgefahren wurden. Der Europol-Sprecher sagte heute, noch sei es zu früh, um zu sagen, wer hinter der Attacke stecke. „Aber wir arbeiten daran, ein Werkzeug zu entwickeln, um die Schadsoftware zu entschlüsseln.“

Microsoft kritisiert NSA

Von der Attacke waren Rechner mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows betroffen. Microsoft-Manager Brad Smith warf in einem Blogeintrag dem US-Geheimdienst NSA vor, eine Windows-Sicherheitslücke für seine eigenen Zwecke genutzt zu haben.

Nachdem die NSA selbst Opfer eines Hackerangriffs geworden war, gelangten die Informationen in die Hände Krimineller, die dann den großangelegten Cyberangriff starteten.