’Ndrangheta soll Flüchtlingszentrum infiltriert haben

Der italienischen Polizei ist ein Schlag gegen einen Mafia-Clan gelungen, der ein Aufnahmezentrum für Flüchtlinge infiltriert und dort mit Hilfe einer katholischen Organisation Betrug in Millionenhöhe begangen haben soll.

Dabei soll es sich um den Arena-Clan handeln, der zur Mafia-Organisation ’Ndrangheta gehört. Bei einem nächtlichen Großeinsatz seien 68 Verdächtige festgenommen worden, teilte die Polizei von Catanzaro in der süditalienischen Region Kalabrien heute mit.

Vorwurf: 32 Millionen abgezweigt

Der Clan zweigte den Ermittlern zufolge rund 32 Millionen Euro in die eigenen Taschen ab, indem er das Aufnahmezentrum in Isola di Capo Rizzuto kontrollierte. So seien etwa Verträge für Essenslieferungen an Firmen gegangen, die der Clan eigens für diesen Zweck gegründet hatte. In dem Aufnahmezentrum sind rund 1.500 Flüchtlinge untergebracht.

Festgenommen wurden auch der Leiter der katholischen Organisation, die das Zentrum offiziell betreibt, und ein Priester, der laut Staatsanwaltschaft 150.000 Euro dafür erhielt, dass er den Flüchtlingen „spirituelle Beratung“ anbot. Den Verdächtigen werden unter anderem Erpressung, Betrug, Veruntreuung zum Nachteil des Staates und Diebstahl vorgeworfen.

„Spitze des Eisbergs“

Italiens Antikorruptionsbeauftragter Raffaele Cantone hält die Mafia-Infiltrierung des Aufnahmezentrums in Isola di Capo Rizzuto nur für die „Spitze des Eisbergs“. Der Arena-Clan war 2012 in die Schlagzeilen geraten, als die Polizei in Kalabrien Besitztümer im Wert von 350 Millionen Euro beschlagnahmte, darunter auch einen der größten Windparks Europas.