Depeche Mode: Bildband für Fans

Mit dem neuen Album „Spirit“ erscheint auch ein kiloschwerer Bildband, der eingefleischte Depeche-Mode-Fans wehmütig werden und Sammler vor Neid erblassen lassen dürfte.

Denn was Dennis Burmeister und Sascha Lange auf 464 großformatigen Seiten in ihrem opulenten Buch „Depeche Mode: Monument – Limited Extended Version“ zusammengetragen haben, grenzt an einen visuellen Overkill: MC-, LP- und CD-Cover in allen denkbaren Editionen tummeln sich da, Platten-Release-Infos, Fanpost, Tour- und Konzertfotos sowie Abbildungen von Merchandise-Artikeln finden sich bei dieser Zeitreise, die im britischen Basildon beginnt, der Heimat der vier Gründungsmitglieder, und bis zur „Global Spirit“-Tour 2017/18 geht.

DM's new album, 'Spirit', is out today! Available now at all major retailers and streaming services.

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Depeche-Mode-Kult in der DDR

Bereits 2013 hatte Burmeister das Ergebnis seiner fast 30-jährigen Sammelleidenschaft zu einer bunten und informativen Werkschau in Buchform zusammengefasst. Wozu also die Neuauflage? Burmeister und Koautor Lange konnten wahrscheinlich nicht eher ruhen, bis sie auch die Solokarrieren der Bandmitglieder dokumentiert hatten. Und unter anderem ein aufschlussreiches Kapitel angehängt hatten, das sich der Fankultur zu DDR-Zeiten widmet.

Burmeister und Lange, beide selbst in der DDR sozialisiert, schreiben, wie hingerissen gerade die unter staatlicher Beobachtung stehenden ostdeutschen Depeche-Mode-Fanclubs auf jede Regung ihrer Idole aus dem Westen reagierten.

Stasi-Bitte um „besonders höfliche Einreise“

Eines Tages, am 7. März 1988, kamen Depeche Mode tatsächlich nach Ostberlin zu einem Konzert. Eintrittspreis: „14,95 M + 0,05 M“ Kulturbeitrag, wie die reproduzierte Eintrittskarte für den Abend vermerkt, auf der der Name der Band nicht einmal auftaucht. Die Staatssicherheit hatte jedenfalls für Depeche Mode um „eine bevorzugte, besonders höfliche und zollfreie Einreise“ gebeten, so heißt es in einem ebenfalls in „Monument“ abgedruckten Amtsschreiben.

„Depeche Mode: Monument – Limited Extended Version“ (Blumenbar Verlag, 49,40 Euro), dieses Denkmal für eine Band, die „Millionen von Menschen begeistert und doch nie Musik für die Massen gemacht hat“, wie die Autoren im Vorwort schreiben, ist chronologisch aufgebaut, und beim Durchblättern staunt man.

Diese vier Bubis aus Basildon – die Gründungsmitglieder Dave Gahan, Andy Fletcher, Martin Gore und Vince Clarke (ab dem zweiten Album nicht mehr dabei) – sollten einmal Musikgeschichte schreiben: mit „Speak & Spell“, „A Broken Frame“ bis hin zu „Delta Machine“ und eben „Spirit“.

Das fing mit süßlichem Synthie-Pop („Just can’t get enough“) an, und erst mit Erscheinen des dritten Albums „Construction Time again“ schienen Depeche Mode ihren Sound gefunden zu haben, dem sie bis heute mit traumwandlerischer Sicherheit treu bleiben.