Flüchtlinge: Ärzte ohne Grenzen kritisiert EU-Politik

Die NGO Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat die Kritik an ihrem Einsatz im Mittelmeer erneut zurückgewiesen. Die Seenotrettung sei notwendig und nur ein „Symptom einer immer restriktiver werdenden EU-Politik, die die Menschen auf immer gefährlichere Routen treibt“, so Mario Thaler, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich. Den Flüchtenden mangle es an Alternativen.

„Ja, Ärzte ohne Grenzen rettet Menschen aus der Seenot, und wir werden es weiter tun, weil das der humanitäre Imperativ fordert. Als humanitäre Organisation können wir es nicht zulassen, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken“, betonte Thaler bei der Vorstellung des Jahresberichts von MSF.

Tausende gerettet

Bei der Rettung von in Seenot geratenen Asylsuchenden im Mittelmeer treffe die Hilfsorganisation vermehrt auf Menschen, die über Misshandlung, Folter, Prostitution, Ausbeutung und Entführungen berichten. Trotz der Qualen, die die Menschen auf ihrer Flucht durchleben, nehmen sie den Weg auf sich, weil es, so Thaler, schlicht an Alternativen, an „legalen Wegen“ fehle. „Es gibt derzeit keine Möglichkeit, legal um Asyl anzusuchen“ - das sei aber die einzige langfristige Lösung. Zudem brauche es eine Ausweitung der Mission der EU-Grenzschutzagentur Frontex.

Allein in diesem Jahr rettete Ärzte ohne Grenzen rund 8.000 Menschen aus Seenot im Mittelmeer, im vergangenen Jahr waren es über 20.000, dabei waren 5.000 Tote zu beklagen. Ärzte ohne Grenzen ist die größte von etwa zehn Hilfsorganisationen, die sich an der Rettung von Migranten im Mittelmeer beteiligen.