Themenüberblick

Trump nominiert Gingrich für Vatikan

US-Präsident Donald Trump hat unmittelbar vor seinem Antrittsbesuch beim Heiligen Stuhl die Unternehmerin Callista Gingrich als Botschafterin für den Vatikan nominiert. Die 51-Jährige beschreibt sich selbst als fromme Katholikin. Ihr Ehemann, Newt Gingrich, ist ehemaliger Sprecher des US-Repräsentantenhauses.

Die Entscheidung sorgt für Diskussionen: Nicht nur in katholischen Kreisen herrscht ein gewisses Unbehagen über die Personalie. Der US-amerikanische Kirchenhistoriker Gerald Fogarty etwa hält Gingrich für zu unerfahren für den Posten. Er sei „schockiert“, dass die Regierung es nicht geschafft habe, jemanden zu finden, der geeigneter sei, um die Wogen zwischen dem Vatikan und den USA zu glätten, sagte er dem „National Catholic Reporter“ („NCR“). Der Papst und der US-Präsident hatten sich im Zusammenhang mit Trumps Einwanderungs- und Klimapolitik gegenseitig teils heftig kritisiert.

Vor allem über Ehemann gut vernetzt

Ähnlich äußerte sich auch der Politologe Stephen Schneck von der Katholischen Universität von Amerika in Washington. Gingrich selbst bringe keine internationale Erfahrung oder Kenntnisse über den Vatikan mit. Über ihren Ehemann sei sie jedoch gut vernetzt und habe Zugang zur US-Führungsebene, so Schneck.

Gingrich wird nachgesagt, dass sie enormen Einfluss auf ihren Mann habe. Sie soll unter anderem der Grund sein, warum der ehemalige Baptist im Jahr 2009 der katholischen Kirche beigetreten ist. Gingrichs Sendungsbewusstsein mag ein Grund sein, warum die Trump-Regierung die 51-Jährige für den begehrten Posten des US-Botschafters beim Heiligen Stuhl bereits früh in Erwägung zog.

„NCR“-Kolumnist Michael Sean Winters nannte Trumps Wahl nicht besonders „inspirierend“. Es wundere ihn, dass eine Partei, die die Familienwerte hochhalte, eine Frau für die US-Vertretung beim Papst nominiere, die jahrelang eine Affäre mit Newt Gingrich geführt habe, während dieser noch verheiratet war.

Dritte Frau für Vatikan-Posten

Gingrich wäre die dritte Frau der Vereinigten Staaten, der man das besondere Amt im Kirchenstaat anvertraut - vor ihr vertraten bereits Lindy Boggs (1997 - 2001) und Mary Ann Glendon (2008 - 2009) die USA beim Heiligen Stuhl. Sollte der US-Senat der Nominierung Gingrichs zustimmen, würde sie auf den bisherigen Botschafter Ken Hackett folgen, der den Posten seit 2013 innehatte. In die Amtszeit Hacketts, der 19 Jahre lang Präsident des Hilfswerks Catholic Relief Service war, fielen Ereignisse wie der Vatikan-Besuch Barack Obamas 2014 und die Papstreise in die USA 2015.

„Cally Lou“, wie Gingrich von ihrer Familie genannt wird, war bereits zweimal auf Tuchfühlung mit dem Vatikan. Als Mitglied des Chors an der Basilika des Nationalen Schreins der Unbefleckten Empfängnis in Washington trat sie 2005 zu Ehren Johannes Paul II. auf. Sie sang auch für Papst Benedikt XVI. während seines USA-Besuchs 2008.

Gute Kontakte ausschlaggebend

Beruflich gibt es ebenfalls Anknüpfungspunkte. Zusammen mit ihrem Mann produziert sie historisch-politische Dokumentationen, oft mit religiösen Bezügen. So habe ihre Produktionsfirma Gingrich Productions etwa die Heiligsprechung Papst Johannes Paul II. verfilmt. „NCR“-Kolumnist Winters hält das Amerika-Bild, das in den Produktionen zum Ausdruck kommt, für ausgesprochen schlicht.

Bis 2007 arbeitete Gingrich im Ausschuss für Agrarwirtschaft - keine typische Laufbahn für einen Botschaftsposten am Vatikan. Doch letztlich soll vor allem die Vernetzung Gingrichs ausschlaggebend sein. Diese könnte die diplomatisch Unerfahrene durchaus herstellen - ähnlich wie ihre Vorvorgängerin Boggs.

Boggs habe, so berichtet Winters, als sie eines Tages vom Kardinalstaatssekretär zu einer Dringlichkeitssitzung gerufen wurde, kurzerhand zum Telefon auf dessen Schreibtisch gegriffen. Zwei Minuten später hatte sie die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright in der Leitung. Das sei es, was der Vatikan von einem Botschafter erwarte. Und dafür dürfte die umtriebige Gingrich gute Voraussetzungen mitbringen.

Links: