Weitere Hinweise auf Manipulationen bei Amri-Akten

Die Vertuschungsvorwurfe gegen das Berliner Landeskriminalamt (LKA) im Fall des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri weiten sich aus: Wie die „Berliner Morgenpost“ am Wochenende unter Berufung auf Innensenator Andreas Geisel von der SPD berichtete, stellten Ermittler in den Akten weitere Manipulationen durch LKA-Mitarbeiter fest.

Löschungsversuche wahrscheinlich kein Zufall

„Damit verfestigt sich der Eindruck, dass es sich bei den ersten Löschungsversuchen nicht um Zufall handelt“, sagte Geisel. Es sei daher richtig gewesen, Anzeige wegen Strafvereitelung im Amt und Urkundenfälschung zu erstatten.

Nach Informationen der Zeitung wurden nicht nur Erkenntnisse über Amri gelöscht, die auf „gewerbsmäßigen, bandenmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln“ hinwiesen. Die Beamten sollen auch Namen aus dem Drogenumfeld von Amri gelöscht haben. Möglicherweise sei damit versucht worden, das Ausmaß des Drogenhandels von Amri zu verharmlosen und Fehler zu vertuschen.

Ausreichend Erkenntnisse für Haftbefehl

Am Mittwoch hatte der Innensenator bekannt gemacht, dass im Berliner LKA Ermittlungsakten manipuliert worden seien, um die versäumte Gelegenheit einer Festnahme Wochen vor dem Anschlag zu vertuschen. Es hätte ausreichend Erkenntnisse gegeben, um einen Haftbefehl für Amri wegen gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Drogenhandels zu erwirken.

Der Tunesier kaperte am 19. Dezember einen polnischen Lastwagen und raste damit auf einem Weihnachtsmarkt in die Menschenmenge. Zwölf Menschen starben, 67 wurden verletzt. Seit April überprüft ein Sonderermittler den Umgang der Behörden mit dem Fall Amri.