Erwin-Wurm-Schau: Kunst nach dem „Hau drauf“-Prinzip

Das 21er Haus zeigt ab sofort Erwin Wurms „Performative Skulpturen“, an denen sich der Erfolgskünstler abreagiert hat. Mit viel Körpereinsatz und seinem speziellen Humor schuf er demolierte Plastiken.

Die Skulptur "Fat House" des Künstlers Erwin Wurm

APA/AFP/Jody Amiet

Die Touristen bekamen ihr Fotomotiv bereits Anfang Mai: Da wurde hinter dem Oberen Belvedere die Großskulptur „Fat House“ von Wurm aufgestellt. Der 2017 omnipräsente Künstler stellt seine wenig bekannte Werkreihe „Performative Skulpturen“ vor, die nach dem „Hau drauf“-Prinzip funktioniert.

Fußtritt für das Elternhaus

Vor fünf Jahren wollte Wurm wieder stärker in Tuchfühlung mit den Materialien gehen, hatte doch seine Werkstatt den 1954 geborenen Künstler weitgehend von der eigenhändigen Kunstproduktion befreit. Dieser Kontakt geschah in Form von Kraftakten: Für die Serie „House Attack“ ließ Wurm aus Ton Modelle von Gebäuden wie seinem Elternhaus, aber auch dem Wiener Narrenturm und dem Gefängnis Stammheim fertigen, die er dann mit seinen Fausthieben und Fußtritten malträtierte.

In einem Performancevideo hackte der Künstler mit einer Machete auf einen Tonklotz, dann schwang er wieder den Hammer, um ein Metallobjekt außer Form zu zerklopfen. Aber auch aus Ton nachgeformte Möbel und Objekte wie ein monumentales Handy, ein Seifenspender und ein Boxhandschuh bekamen Wurms Rechte zu spüren, als wäre er Bud Spencer. Andere Plastiken überfuhr der Künstler gar mit dem Auto; sie tragen nun die Reifenspuren wie ein Ornament.

Zerstörung als Kunstform

Bereits in den 1960er Jahren hatten die Fluxus-Künstler und die Wiener Aktionisten die Zerstörung als künstlerische Methode etabliert. Wurms Kraftmeierei verhält sich zu diesen radikalen Performances ungefähr so wie der Straßenkampf mit der Polizei zum Boxkurs für Manager. Abgegossen in Bronze, Aluminium oder Eisen entstehen wieder viele Auflagen der Wurm-Originale, nach denen der Kunstmarkt so giert.

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